Hiobs Botschaft zum Neuen Jahr

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Hiob 1, 1 – 3:
1 Es war ein Mann im Lande Uz, sein Name war Hiob. Und dieser Mann war rechtschaffen und redlich und gottesfürchtig und mied das Böse.
2 Ihm wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren.
3 Und sein Besitz bestand aus siebentausend Schafen und dreitausend Kamelen und fünfhundert Gespannen Rinder und fünfhundert Eselinnen, und seine Dienerschaft war sehr zahlreich, so dass dieser Mann größer war als alle Söhne des Ostens.

Hiob 42, 10 – 17:
10 Und der HERR wendete das Geschick Hiobs, als der für seine Freunde Fürbitte tat. Und der HERR vermehrte alles, was Hiob gehabt hatte, auf das Doppelte.
11 Da kamen zu ihm all seine Brüder und all seine Schwestern und alle, die ihn früher gekannt hatten. Und sie aßen mit ihm Brot in seinem Haus, und sie bekundeten ihm ihre Teilnahme und trösteten ihn wegen all des Unglücks, das der HERR über ihn gebracht hatte. Und sie gaben ihm jeder eine Kesita und jeder einen goldenen Ring.
12 Und der HERR segnete das Ende Hiobs mehr als seinen Anfang. Und er bekam vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Gespanne Rinder und tausend Eselinnen.
13 Und es wurden ihm sieben Söhne und drei Töchter geboren.
14 Und er gab der ersten den Namen Jemima und der zweiten den Namen Kezia und der dritten den Namen Keren-Happuch.
15 Und so schöne Frauen wie die Töchter Hiobs fand man im ganzen Land nicht. Und ihr Vater gab ihnen ein Erbteil mitten unter ihren Brüdern.
16 Und Hiob lebte nach diesen Ereignissen noch 140 Jahre. Und er sah seine Kinder und seine Kindeskinder, vier Generationen.
17 Und Hiob starb, alt und der Tage satt.

(Worterklärungen: Uz = wahrscheinlich Aram, Gebiet in der Nähe von Mesopotamien, vielleicht sogar das heutige Syrien, Lage nicht näher bekannt / Kesita = ca. 46 Gramm Silber / Jemima = Täubchen / Kezia = Zimtblüte / Keren-Happuch = Schminkhorn, also in etwa ein Gefäß der Schönheit / Hiob = in etwa: der von Gott Verfolgte)

Nach dem zurückliegenden Jahr 2015 und all den Umbrüchen und Krisen und Veränderungen, die es gebracht hat, scheint es nahe zu liegen, es ein Jahr der Hiobsbotschaften zu nennen. Die Hiobsbotschaft ist zum Inbegriff für jede katastrophale, erschreckende und üble Nachricht geworden. Zudem führt uns das Land Uz, aus dem Hiob laut biblischem Bericht stammt, mindestens in die Nähe des wunderschönen und jetzt völlig zerstörten Syrien. Die Welt ist klein geworden und jede schlechte Nachricht eilt heute tausend Mal schneller als alle berittenen Boten von damals. Es kommt uns eigentümlich bekannt vor, dass Hiob alles verlor und nur noch mit dem nackten Leben davon kam. Seine Kinder und sein ganzer Besitz sind ihm genommen und zerstört worden. Durch Unglück und ja, nicht unbekannt klingend, durch Krieg. Die Chaldäer fallen ein und töten und vernichten. Stellen wir uns vor, Hiob ist ein Syrer, der alles verloren hat. Ein interessanter Gedanke, ein aufstörender Gedanke.
Aber ist Hiobs Botschaft wirklich nur eine von Unglück, Tod und Zerstörung? Ein altes Sprichwort sagt, dass man immer auf das Ende eines Menschen sehen soll, um ihn zu verstehen und zu begreifen, was ihn und sein gelebtes Leben ausmacht. Wie ein Mensch endet, so hat er wohl gelebt. Ob darin viel Wahrheit liegt oder wenig, vermag ich nicht zu sagen, aber es lohnt sich, die Eingangsworte des Buches Hiob mit den Schlussworten des Buches Hiob zu vergleichen. Denn darin liegt eine gute Botschaft für oftmals schwierige und herausfordernde Zeiten.

1.) Vom inwendigen zum zuwendenden Glauben

Eingangs heißt es, dass Hiob ein rechtschaffener, redlicher, gottesfürchtiger und das Böse meidender Mann war. Hui!!!, sagen wir uns beim Lesen, gerade wenn wir schon lange in frommen Lagern unterwegs sind. Das ist also ein anständiger, gläubiger Mensch. Tja, und dann trifft ihn das Unglück. Das hat er doch gar nicht verdient, der Gute. So etwas Ungerechtes. Und wir fühlen uns bestätigt und getröstet, wenn uns selbst schlimme, unerklärliche Dinge ereilen, obwohl wir uns doch solche Mühe geben, anständig und nett und sauber zu leben. Rechtschaffen wie Hiob. Daran ist auch sicher nichts Verkehrtes.
Und wir kennen die endlosen Reden von ihm, wenn er sich bei Gott beklagt und – kurz zusammengefasst – sagt: „Okay, du bist Gott. Das erkenne ich an. Du kannst machen, was du willst. Aber schau mal, ich leide und das habe ich nicht verdient. Ich habe nicht gesündigt, alles richtig gemacht und trotzdem sitze ich hier, krank und verspottet und arm. Erkläre mir das!“
Darauf folgen die endlosen Reden seiner Freunde, durch die man sich – zugegeben – oft mühsam hindurch liest. Auch hier wieder, kurz zusammengefasst, sagen sie ihm alle: „Okay, Gott ist Gott. Er macht was er will. Aber kann es nicht sein, dass du doch irgendwo, irgendwie, so ein kleines bisschen gesündigt hast? Nur so ein klitze bisschen? Gib es doch zu! Wir sind doch alle kleine Sünderlein und Gott bestraft nun mal Sünde. Das weiß jeder.“
Kennen wir nicht solche frommen Reden? „Du hast bestimmt nicht richtig geglaubt!“ „Du musst nur mehr auf Gott vertrauen!“ „Gib Gott alles ab, dann wird das schon.“ Wie oft waren wir schon der wimmernde Hiob oder einer der eiskalten, nach Sünde schnüffelnden Freunde Hiobs?
Und dann taucht ein junger, ungestümer Mann auf. Woher er kommt und wer er ist und weshalb er da plötzlich steht und seine großen Reden schwingt, wissen wir nicht so genau. Aber Elihu (der Sohn Barachels, des Busiters, von der Sippe Ram – was auch immer das heißen soll, man kennt ja die Vorliebe der Bibel für Stammbäume, es ist hier jedenfalls jetzt nicht wichtig), tritt auf und spricht seinen Text. Was hat er zu sagen? Er ist ein wirklich unerquicklicher Quälgeist. Wir rollen die Augen und denken: Das ist hart! Elihu äußert sich, grob zusammengefasst, so: „Gott ist Gott und er macht, was ihm gefällt und als Mensch hast du dabei kein Mitspracherecht. Und jeder von uns ist ohnehin ein Sünder. Es spielt keine Rolle, was du richtig oder falsch gemacht hast. Gott ist Gott. Punkt.“
Uns fällt die Kinnlade herunter. Das soll ein Trost sein? Auch Hiob klagt weiter. Er zählt sein früheres Glück auf, jammert weiter über sein Unglück und fordert Antwort von Gott. Nun? Wie fällt Gottes Antwort aus? Er stimmt Elihu zu! Unfassbar! Gott sagt: „Ich bin Gott. Ich tue, was ich will.“ Das war es. Ende der Durchsage. Punkt. Wir klimpern mit den Augen und sind enttäuscht. Irgendwo muss doch ein kuschliger Trost zu finden sein, der uns einlullt und uns sagt, dass alles nicht so schlimm ist und alles sowieso wieder gut wird.
Was tut Hiob? Das ist erstaunlich, denn er sagt im Großen und Ganzen: „Okay, Gott. Du hast Recht. Ich bin im Unrecht.“
Was für uns zunächst unverständlich erscheint, wird in einem kleinen Satz am Ende offenbart: „Und der Herr wendete das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat.“
Hiob hat sich durch seine Zeit des Leidens verändert. War es früher für ihn wichtig, selbst ein rechtschaffener Mensch zu sein und keine Fehltritte zu begehen, so werden sein Blick und sein Herz jetzt weit für die Größe und Autorität Gottes. Und damit wird sein Herz weit für die Menschen. Er bittet und betet für seine Freunde, die ihn so übel bedrängt und nur noch trauriger gemacht haben. Er setzt sich für sie ein. Aus seinem rechtschaffenen, selbstbezogenen Glauben ist ein weiter, großzügiger, herzlicher Glaube geworden, der auch auf andere abstrahlt. Sein eigens Leiden und die Erkenntnis der Größe Gottes haben ihn weich und groß und weise gemacht. Das war es, was ihm noch fehlte.

2.) Das Doppelte

Hiob erhält den doppelten Besitz zurück. So lesen wir es. Und als ordentlicher, gewissenhafter Mensch zählt und rechnet man tatsächlich nach. Zuerst 7000 Schafe, jetzt 14000. Zuerst 3000 Kamele, jetzt 6000. Zuerst 500 Gespanne Rinder, jetzt 1000. Zuerst 500 Eselinnen, jetzt 1000. Stimmt. Kopfrechnen funktioniert. Taschenrechner funktioniert. Aber halt! Das stimmt nicht ganz! Hat er nicht sieben Söhne und drei Töchter verloren? Warum hat er jetzt nicht 14 Söhne und 6 Töchter? Das juckt und kratzt an der steifen, schulischen Logik, die wir beinahe schon mit der Muttermilch eingesogen haben..
Nunja. Zum einen, was soll ein Mann in vorgerücktem Alter mit 20 Kindern tun? Zehn Kinder sind ja wahrlich Freude und Stress genug. Doch Spaß beiseite. Nichts in der Schrift ist zufällig. Der Besitz und das Vieh verdoppeln sich, nicht aber die Menschen. Warum ist das so?
Glauben wir wirklich, dass Gott, so mächtig und souverän und groß er ist, die Menschen tatsächlich für so unwichtig und nichtig hält? Gottes Trost liegt nicht allein darin, dass er seine Größe zeigt und Hiob großzügig beschenkt. Nein, der ärgste Schmerz, nämlich der Verlust seiner Kinder, der ist und bleibt hart und schwer. Er ist nicht durch die doppelte Menge an Kindern aufzuwiegen. Es wäre zynisch, wenn die Rechnung der Geschichte auf diese Weise aufginge. Nein, die 10 verlorenen Menschenleben wiegen in Gottes Hand ebenso viel wie die 10 neu geschenkten Menschenleben. Gerade deshalb sind die neuen Kinder Hiobs nicht der billige Ersatz und Trost.
Aber etwas noch viel Erstaunlicheres passiert. Was hat Hiob mit seinen ersten 10 Kindern getan? Er hat sie ihr Leben leben lassen und für sie und ihre Sünden gebetet und Opfer gebracht. Immer ängstlich darum besorgt und bemüht, dass sein Haus und seine Familie anständig und sauber bleiben. Diese fromme Angst ist auch nicht unbekannt, denke ich.
Was tut Hiob mit seinen zweiten 10 Kindern? Er liebt sie einfach! Er gibt seinen Töchtern die schönsten und zärtlichsten Namen. Ich stelle mir vor, wie glücklich und gütig und vielleicht mit Tränen in den Augen er seine drei kleinen Prinzessinnen umarmt hat. Hiob liebt seine Kinder, denn sein Herz ist weit geworden. So weit, dass er nicht nur seinen Söhnen Besitz vererbt, sondern auch seinen drei Töchtern. So lesen wir. Und das ist damals unüblich und außerordentlich gewesen! Frauen haben normalerweise nicht geerbt.
Und noch etwas spricht dafür, dass Hiobs Herz sich über das erfahrene Leid und das Erkennen von Gottes Größe geweitet hat. Wo waren denn alle seine Verwandten? Warum sind sie nicht gleich gekommen, um mit ihm zu essen und ihn zu trösten und ihm etwas Geld zu geben, damit er von vorn beginnen kann? Plötzlich tauchen sie auf, nachdem Hiob sich unter Gottes Größe gedemütigt hat und für seine unbarmherzigen Freunde bittet.

3.) Der liebenswerte Hiob

Am Anfang des Buches Hiob begegnen wir einem Mann, der leidet und sein Leid mit orientalischem Großmut trägt. Wir bewundern die Größe und Rechtschaffenheit Hiobs und wir erschrecken über sein Leid. Fassungslos ringen wir darum, dass dieser Mann getröstet wird, dass wir selbst darin getröstet werden.
Am Ende des Buches Hiob begegnen wir einem Mann, den wir gerne zum Vater oder Großvater oder auch nur zum lieben Onkel hätten. Ein Mann, der für seine Freunde opfert und betet. Ein Mann, der seine Kinder liebt und der mit seinen Verwandten isst und all sein Glück und Unglück mit ihnen teilt. Ein Mann, dessen Herz groß und weit geworden ist. Ein Mann, in dessen Herz Gott wahrhaftig Raum gefunden hat.

Diese Weite und Größe zu erleben, einen großen, mächtigen Gott, dem die einzelnen Menschen und ihr Leiden trotzdem oder gerade deswegen nicht egal sind, das ist mein Neujahrswunsch.

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