Ewige Liebe

zu 1. Kor. 13

1. Korinther 13, 7 – 8:

„…sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht niemals…“

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Das 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes ist eines der meistgelesenen, am häufigsten zitierten und gepredigten Kapitel der Bibel. Paulus´ Hohelied der Liebe. Anders als bei Salomos Hohelied der Liebe im Alten Testament sind die Aussagen über die Liebe an sich hier weniger bildhaft und knüpfen zunächst nicht am Gedanken der innigen Verbindung zwischen Mann und Frau an. Die Sätze sind zum großen Teil eine schlichte Aufzählung der Dinge, die Liebe vermag, vermeidet oder vollbringt. Das Kapitel ist kurz, konkret und insofern erschlagend herausfordernd. Je weniger Text zu einer wichtigen Sache in der Bibel steht, desto häufiger und intensiver wird oft darüber geschrieben und gepredigt. Weil es eben so kurz ist und wir allzu gerne eine Anleitung haben möchten. Ja, wie mache ich das denn, das mit dieser Liebe, die alles kann?

Liebe zwischen Mann und Frau, das verstehen wir. Innigkeit, die aus gegenseitiger Anziehung kommt. Zuneigung, die voller Gefühl ist und sich in liebevollen Gesten und Worten ausdrückt. Ja, der Salomo hatte es schließlich einfach zu sagen „Liebe ist stark wie der Tod“, wenn er seine wunderschöne Sulamit angesehen hat. Aber was ist mit uns, wenn Paulus schreibt, dass die Liebe alles erträgt und in nichts nachlässt und aufgibt? Eine Liebe, die sich niemals verändert und immer gleich stark und gewaltig und ewig bleibt. Eine Liebe, die ausschließlich das Gute für das Gegenüber will und wirkt. Also auch eine Liebe, die stärker ist als der Tod. Aber leider nicht verknüpft mit der romantischen Vorstellung eines Helden, der für seine Geliebte alles wagt und gewinnt. Oder doch?

In Kapitel 12 des ersten Korintherbriefes hat Paulus begonnen, über die verschiedenen Gaben der einzelnen Gläubigen zu reden. Alle sind Glieder eines Leibes und ergänzen sich gegenseitig. Dieses Bild leuchtet uns ein, auch wenn wir die Einigkeit häufig nicht ganz so erleben wie sie eigentlich in der Gemeinde sein sollte, wissen wir, dass sie das Ideal ist, das Ziel, das Richtige. Wie können wir Harmonie und Einheit erreichen? Nicht durch Gaben und Arbeit und Leistungen. Das ist es, was Paulus uns hier mitteilen möchte. Er schreibt im letzten Vers von Kapitel 12: „Und einen Weg noch weit darüber hinaus zeige ich euch:“ (Vers 16) (Schön in der Neues Leben Übersetzung: „Ich will euch etwas zeigen, das alle diese Gaben übertrifft.“)

Dann wechselt er plötzlich ganz in die Ich-Perspektive. Immer wenn Paulus das tut, wissen wir aus seinen Briefen: jetzt wird es wichtig, persönlich und leidenschaftlich. Wir sollten inne halten und genau lesen. Paulus nimmt sich selbst als Beispiel, um allen Gläubigen etwas sehr deutlich aufzuzeigen. Er zeichnet zuerst ein Bild von sich. Stellt euch vor, scheint er zu sagen, ich wäre ein Mensch, der alles kann und alles weiß und alle Macht und Kraft hat, jedes Wunder tun kann, jede Sprache beherrschen. All das. Aber ich habe keine Liebe in dem, was ich kann und tue. Ich bin eine kalte, leere Hülle, ein Mann voller Macht und ohne Güte und Erbarmen und Mitleid und Zuwendung. Dann sind alle meine Fähigkeiten nichts wert. Wir kennen und lieben die starken Bilder, die er hierfür verwendet. Das tönende Erz und die klingende Schelle. Viel Lärm um Nichts. Lautes Getöse und stolzes Brüsten, aber niemals hilfreich. (Verse 1 bis 3)

Anschließend wechselt Paulus von sich wieder zu dem eigentlichen Thema. Es geht um die Liebe, mit der alle Taten und Fähigkeiten einen ganz anderen, nicht mehr leeren und sinnlosen Klang bekommen. Wie ist sie denn, diese Liebe? Der gelehrte, wortgewandte Paulus zählt uns ihre Ansprüche auf. Die Liebe ist geduldig, freundlich, selbstlos, aufopfernd, sanftmütig, anständig, vergebend, wahrhaftig, demütig. Nicht nur das. Diese Liebe bleibt bestehen, ganz egal, was man ihr antut oder von ihr fordert. Sie ist unveränderlich, unerschütterlich, ewig. (Verse 4 bis 8). Wir wissen genau, dass wir eine solche Liebe niemals aufbringen können.

Abermals wechselt Paulus die Perspektive. Er spricht von sich als Kind und Erwachsener, zieht die Parallele zu dem, was wir jetzt kennen und wissen und dem, was noch auf uns zukommen wird. Der Blick vom eigenen, unvollkommenen Selbst über die unmögliche Herausforderung geht darüber hinaus auf den, der tatsächlich alles vermag. Auch mit ewiger Liebe zu lieben. Gott der Vater. Er hat uns erkannt, wir erkennen ihn nur ein kleines Stück. Er hat uns zuerst geliebt, unser Schöpfer, unser Retter. Wir lieben ihn wie Kinder. Unvollkommen, aber von Herzen. Noch liegt ein Schleier des Unverständnisses auf unseren Augen, aber irgendwann werden wir erkennen, wie Gott uns erkannt hat. Wie er uns liebt. (Verse 9 bis 13)

Und hier sind wir plötzlich doch beim Hohelied der Liebe des Alten Testaments angelangt. Erkennen ist ein Wort, das in der Bibel häufig für die Intimität zwischen Mann und Frau gebraucht wird. Gott hat uns erkannt und wir werden Gott mehr und mehr erkennen. Gott ist uns ganz nahe und wir sind aufgefordert und eingeladen, Ihm nahe zu kommen. Gott ist der Held, der für seine geliebte Braut alles wagt und alles gibt und alles gewinnt.
Das ist das Geheimnis der ewigen Liebe. Es ist gar nicht unsere Liebe, um die es in 1. Korinther 13 geht. Es ist Gottes Liebe, die er uns durch seinen Sohn geschenkt hat und die nun mehr und mehr durch uns wirken soll, bis wir ganz und völlig verstehen, wie Gott uns erkannt hat, wie sehr er uns schon immer geliebt hat. Deshalb schließt Paulus diesen Abschnitt mit den Worten: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte aber von diesen ist die Liebe.“ (Vers 13)

Die Liebe ist deshalb am größten, weil sie zuerst kommt. Weil die am Anfang von Glauben und Hoffen steht. Ohne Gottes Liebe ist weder Glaube noch Hoffnung möglich. Der erste Satz von Kapitel 14 gehört eigentlich noch zu diesem Hohelied. „Strebt nach der Liebe“ Das schreibt Paulus, ehe er sich wieder den Gaben und ihrer Ausübung in der Gemeinde zuwendet. Die Liebe kommt zuerst und nur mit dieser Liebe sollen wir untereinander ausüben, was wir können, womit wir von Gott begabt und beschenkt sind. Sich von Gott lieben zu lassen und diese Liebe einzuüben und sie weiterzugeben, das hat höchste Priorität. Alles andere hat sich dem unterzuordnen bzw. es fügt sich, wenn Liebe richtig verstanden und im Sinne der ewigen, göttlichen Liebe geübt wird.

Zuerst kommt immer, dass Gott uns liebt, dass er uns erkannt hat wie eine Braut. Er hat uns wie ein Ehemann seine geliebte Frau zu sich geholt, um mit uns zusammen zu sein. Nur aus dieser Beziehung heraus können wir die Liebe verstehen, einüben und weitergeben. Und es ist ein Trost und ein unergründliches, wundervolles Geheimnis, dass diese Liebe tatsächlich niemals aufhört, uns niemals aufgibt und uns in die Ewigkeit trägt, in der wir nur noch mehr und tiefer erkennen werden, wie sehr wir schon immer geliebt wurden.

 

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