Wortgewalt

Johannes 1, 1 – 5:

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott.
3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.
4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

2016-02-02 01.47.10

Lasst uns Worte gebrauchen, um über Worte zu reden. In dem wunderbar verdichteten Beginn des Johannesevangeliums ist die Rede von einem mächtigen Wort, das in die Welt hinausgeht und dort Großes bewirkt. Vielleicht ist es nicht verkehrt, einmal kurz von dem bekannten Text und von dem, was er über das Wort Gottes sagt, wegzusehen und zunächst die ganz menschlichen Erfahrungen mit Worten zu betrachten. Wir wissen, dass Worte im Allgemeinen etwas bewirken können. Um diesen Punkt auf eine etwas krasse Weise zu verdeutlichen, gehe ich jetzt so weit weg vom wunderschönen Johannesevangelium wie nur möglich.

Es ist über 70 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg endete und ein Meer von Millionen Toten hinterlassen hat. Das ist ein Trauma, das uns allen bis heute tief in den Knochen und im Gedächtnis steckt, selbst wenn wir so jung sind, dass wir nicht einmal die kargen Nachkriegsjahre miterlebt haben. Wie war es möglich, dass ganze Heerscharen von Männern und Frauen dieses Leid verursachten? Die Antwort erscheint nun 70 Jahre nach dem Ableben Hitlers in Form zweier Bände, hübsch verpackt im Mantel zahlreicher Kommentare und verwahrt in einem Schuber. Über 5 Kilo Buch, die die Worte eines Mannes einkleiden, der ganz Europa, ja die ganze Welt in einen blutigen Taumel stürzte.

Mit diesem Buch, dessen Rechte nach genau 70 Jahren Ableben des Autors frei geworden sind, hat die unselige Geschichte begonnen, die Millionen Menschen auf grausamste Weise das Leben gekostet hat. Worte aus dem Inneren eines einfachen Mannes, Worte aus seinem Kopf auf das Papier gebracht, Worte, die er zu anderen Menschen sprach und sie damit begeisterte, beeinflusste, lenkte, beherrschte. Worte des Todes. Solche Macht haben die Aussagen eines einzelnen Mannes, dass sie innerhalb weniger Jahre ganze Familien auslöschen konnten. Ich glaube, niemand von uns bezweifelt die Macht der Worte.

Diese menschlichen Worte des Todes bilden den Gegensatz zu dem, was uns im ersten Kapitel des Johannesevangeliums begegnet. Göttliche Worte des Lebens. DAS göttliche Wort des Lebens. Wir wissen, dass Worte Macht haben. Wir erleben es täglich und die Geschichte lehrt es uns durch all die grausamen Jahrhunderte hindurch bis heute. Zweifeln wir dann noch daran, dass es ein Wort gibt, das mächtiger sein kann als alle anderen Worte? Ein einziges Wort, das die Kraft und Macht hat, alle Grausamkeit und Finsternis aufzubrechen und wegzuschaffen. Das Schöpferwort. Der Anfang von Allem und das Ziel allen Lebens. Wenn es möglich ist, dass ein einzelner Mann durch seine Worte Millionen Menschen tötet, dann ist es doch erst recht möglich, dass der Mann Jesus, das Fleisch gewordene Wort des Schöpfergottes, der durch sein Wort erst alles Leben geschaffen hat, Millionen und Abermillionen Leben retten kann.

Genau das ist die wunderbare Botschaft, die in den ersten Versen des Johannesevangeliums steckt. Wie in keinem der anderen Evangelien offenbart sich Jesus hier als der Sohn Gottes, als das „Fleisch gewordene Wort“ des Schöpfers. In allen seinen Taten und Worten steckt die Botschaft: Sieh her, Höre zu – ich bin es, der Schöpfer, der dich geschaffen hat und ich wirke durch mein Wort bis heute an dir – ich schaffe Licht und Leben, wo ich will und ich will dieses Leben in dir schaffen. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Das sind Worte, die uns tatsächlich bewegen und verändern können. Mächtige Worte.

Wer das erste Kapitel des Johannesevangeliums liest, der sollte sich auch die Mühe machen ganz zum Anfang zurückzugehen und die Schöpfungsgeschichte in den ersten Versen des Ersten Buches Mose lesen. Hier wird derselbe Vorgang beschrieben, dieselbe Macht. Dasselbe Wort. „Im Anfang“ – so heißt es in 1. Mose und in Johannes. Am Anfang, im Anfang das Wort. Nichts anderes, nur das Wort des Schöpfers. Was tut das Wort Gottes zuallererst? Es schafft Licht. Fiat Lux. Es werde Licht. Dass wir sehen und betrachten, wie herrlich und wunderbar der Schöpfer ist und das, was er geschaffen hat. In diesem zuerst erschaffenen Licht entsteht alles Leben. Leben ist da möglich, wo das Licht ist und das Licht wird durch das Schöpferwort erschaffen.

Wenn nun Jesus das Fleisch gewordene Schöpferwort ist, in diese Welt kommt und mir begegnet, was geschieht dann? Was muss geschehen, wenn ich weiß, was in 1. Mose bereits geschehen ist? Er schafft Licht in mir. Er macht mich lebendig. Seine Macht, sein Wort erschaffen in mir „erleuchtete Augen des Herzens“ wie Paulus in Epheser 1, 18 schreibt („Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist“).

In diesem Licht kann neues Leben entstehen, die „Frucht“, die mein Glaubensleben bringen soll und von der Jesus auch gerade im Johannesevangelium spricht („Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ Joh 5, 15). Das ist die Geburt aus Gott, von der das erste Kapitel des Johannesevangeliums spricht. Das Recht, Kinder Gottes zu werden, indem wir das Wort Gottes, das fleischgewordene Wort, in uns aufnehmen. Das Brot des Lebens (Johannes 6, 48), das Jesus selbst ist und das er uns mit sich selbst gibt, dass wir es in uns aufnehmen und davon leben.

Die „Ich-bin-Worte“, die Jesus im Johannesevangelium spricht, weisen allesamt auf den Schöpfergott hin, der durch sein Wort das Leben erschafft. Ich bin das Licht. Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin der Weinstock. Ich bin der gute Hirte. Es lohnt sich, genau diesen Aussagen Jesu nachzugehen, wenn man das Evangelium liest. Begründet und eröffnet wird dieser Reigen der wunderbaren, machtvollen Worte mit den ersten Versen: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (Johannes 1, 1 – 5) Wer nicht blind und taub ist, der soll hier entdecken, dass es ein und derselbe Schöpfergott ist, der von Anfang an Licht und Leben erschaffen hat. Und zu dieser Quelle müssen wir zurück, wenn wir selbst leben wollen. Das ist die Botschaft des ersten Kapitels. Kehre zurück zur Quelle allen Lebens, kehre um und lausche dem mächtigsten und schönsten aller Worte. Lausche dem Wort, das alle Finsternis aufbricht und alles neu erschaffen kann. Lausche dem Wort Gottes, das mächtiger ist als jedes Todeswort, das je ein Mensch gesprochen hat.

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