Hohepriester unserer Versuchungen

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.“ (Hebräer 4, 15)

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Die tiefe Bedeutung dieses Verses ist uns in der letzten Bibelstunde wieder neu deutlich geworden. Wir beschäftigen uns zurzeit mit dem Evangelium nach Matthäus und sind gerade bei der Versuchung Jesu in der Wüste angelangt (Matthäus 4, 1 – 11). Jesu Begegnung mit dem Feind Gottes und dem Feind der Menschheit spiegelt all das wieder, was Mann und Frau seit den Tagen Edens als ständiges Ziehen an ihrer Seele erleben.

Was wir dort lesen, ist der Versuch einer Wiederholung. Der Satan bemüht sich darum, einen zweiten Fall der Menschheit zu erzeugen. Und er versucht es mit den gleichen Mitteln. Da ist ein Mann – Jesus, aus dem erwählten Volk Israel, das Gott gehört und Ihn auf Erden bezeugen soll. Er ist, so lesen wir zu Beginn in Kapitel 2, von einer Jungfrau geboren, gezeugt vom Heiligen Geist. Ihm fehlt ein entscheidendes Erbe. Die angeborene Sündhaftigkeit des Menschen. Das, was Adam und Eva an ihre Kinder weitergegeben haben und sich bis heute in jeder Generation fortpflanzt. Ein Hang zur Gottesferne und zum Durchsetzen des eigenen Willens. Das große Ego des Einzelnen, das so viel Leid für Viele verursachen kann. Jesus fehlt das. Er ist 40 Tage ganz bei Gott, ganz im Gebet, ganz in der Tradition Seines Volkes und ganz in der Gegenwart des Vaters, der Ihn nach der Taufe (Kapitel 3, 13-17) seinen „geliebten Sohn“ nennt.

Auch Adam und Eva, liebevoll geschaffen aus Erde und lebendig gemacht durch den Hauch Gottes, wandelten einst mit ihrem Schöpfer im Garten unter den Bäumen. Sie waren ganz von Gott und ganz bei Gott. In Eden und in der Wüste tritt der Satan jetzt auf. Er platzt in die innige Heiligkeit der zarten Gemeinschaft zwischen Geschöpf und Schöpfer und erhebt Anspruch auf Herrschaft. Der große Manipulator setzt den Hebel dort an, wo er am wirkungsvollsten ist, passend zur Situation und genau abgestimmt auf das jeweilige Wissen des Menschen von Seinem Gott. Nur in diesen engen Bezügen kann der Feind versuchen, den Menschen vom richtigen Weg zu drängen.

Er versucht es auf drei Ebenen. Da sind zunächst die niederen Bedürfnisse. Hunger und Durst, das Verlangen danach, den Schmerzen und Leiden und Notwendigkeiten des eigenen Leibes nachzukommen. Etwas Gutes und Richtiges zunächst. – ´Eva, nimm die Frucht, denn du solltest essen – oder hat Gott dir etwa verboten, von den Früchten zu essen?…´ – ´Jesus, nimm den Stein und mach ihn zu Brot. Du weißt, dass du es kannst und dass du die Macht dazu hast – jederzeit kannst du alle deine Bedürfnisse erfüllen…´ – Eva nimmt die Frucht und sie gibt sie an Adam weiter. Sie essen und sie dürfen essen, denn Gott hat ihnen alle Früchte gegeben – aber hier essen sie am falschen Ort, zur falschen Zeit, vom falschen Baum. Jesus jedoch widersteht! – ´Ich lebe von Gottes Wort – ER hält mich am Leben und sättigt mich zur rechten Zeit.´ – Zu einfach war der erste Versuch für den geliebten Sohn.

Als Nächstes wird Jesus bei dem gepackt, was Er zuvor selbst bekundet hat. Bei Seinem unbedingten Gottvertrauen, Seiner innigen Beziehung zum Vater. – ´Wenn du Gottes Sohn bist – stürze dich hinab – Seine Engel werden dich tragen und bewahren…´  Wie damals bei Eva ist es auch hier. Was sagte der Feind zur Mutter der Menschheit? „Sollte Gott gesagt haben…?“ Du vertraust Gott? Dann teste es doch! Stelle Ihn in Frage, sieh zu, ob sich dieses Vertrauen lohnt… Eva nimmt also die Frucht, denn sie will probieren, ob es sich so verhält, wie der Schöpfer es sagt oder ob doch dieser neue, interessante Gesprächspartner Recht hat. Jesus widersteht auch hier. Nein, Er wird keinen Mutwillen treiben. Ganz sicher weiß Er, dass die Engel dem Sohn wie dem Vater dienen, doch auch hier ist es nicht Zeit und Ort, das zu probieren. Im Dienst wird Er oft genug die Bestätigung seiner Worte durch Zeichen und Wunder erleben. Jetzt heißt es, stille zu bleiben und auszuharren, in Vorbereitung auf all das Große, was noch kommen soll.

Wenn dieser Jesus weder bei Seinen leiblichen Bedürfnissen noch bei Seinem Gottvertrauen zu greifen ist, dann ja vielleicht bei dem, wonach der Satan selbst hungert und was auch bei Eva den letzten Ausschlag gegeben hat. Was sprach der Feind doch gleich zu Eva? „Ihr werdet sein wie Gott…“ Und Eva sah den Baum an und die Frucht – eine Lust für die Augen, gut zu essen und mehr und größeres Wissen als je zuvor… Dann war es geschehen und der Mensch wusste, was gut und böse ist. Und so konnte er sich für das Böse, das in ihm durch den ersten Ungehorsam geweckt worden war, ebenso entscheiden wie für das Gute. Darum sieht die Welt aus wie sie ist. Neben allem Mitleid und Erbarmen für Andere gibt es die entsetzlichste Grausamkeit und wir staunen immer wieder: Woher nur kommt das Dunkle in uns?

Jesus widersteht auch hierin. Er soll vor dem Feind niederfallen und ihn anbeten, dann wird der Ihm alle Reiche der Welt geben, die ganze Herrschaft über den Erdkreis. Was jedoch wählt Jesus stattdessen? „Geh hinweg Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.“ (Matthäus 4, 10) Welche Konsequenzen hat es für Jesus, sich so zu endscheiden? Glückseligkeit und Lohn? Nein, er ist nicht der kriegerische König, den die Israeliten ersehnen, der Mann, der sie von der Römischen Herrschaft befreit. Er ist der stille Held, der sich trotz dreifacher Versuchung für die völlige Unterordnung unter Gottes Willen entscheidet – und dafür in dieser gefallenen Welt Kreuz und Tod erntet. Er ist der leidende Gottesknecht aus Jesaja (Jesaja 53). Der, der sich freiwillig dazu entschieden hat. Das ist es, was Ihn zu einem Hohepriester macht, der alle unsere Versuchungen und Schmerzen kennt. Es ist nicht nur der Widerstand gegen den Feind, der Jesus so groß macht. Es ist Seine Entscheidung zu Niedrigkeit und Leiden, die Ihn für uns fassbar und zum größten Tröster machen. Darum nehmen wir Ihn zum Vorbild und bitten um Seinen Beistand in unseren eigenen Versuchungen.

Philipper 2, 5-11: Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

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