Gottes Kisten

Die Zeit ist nahe, in der die Menschen in ihre Keller und auf ihre Dachböden gehen, um die lange und sicher verstauten Kartons hervorzuholen. Man bläst den Staub von den Deckeln, hustet kurz und öffnet die Kisten. Jene Kisten, in denen sich die kitschige Weihnachtsdekoration befindet. Man will ja doch ein bisschen Stimmung haben in der kommenden Zeit. Und so eine Lichterkette kann zumindest ein wenig über die nahende Winterdepression hinweghelfen. Wo keine Sonne mehr ist, muss man eben selbst für die durchgehende Beleuchtung sorgen. Also tapfer an die verstauten Kisten!

Gott ist uns Menschen in dieser Zeit näher als sonst. Zumindest haben wir das Gefühl, dass es so ist. Advent, Ankunft Jesu in dieser Welt. Aber Gott ist uns sogar noch viel näher als wir denken, denn auch er hat befüllte Kisten in seinem Vorrat. Vier Kisten gibt es, deren Deckel wir lüften können, um dem großen Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dem Geheimnis der Nähe Gottes zu seinen Geschöpfen.

Die erste Kiste – Eine Familie und ihre zahlreichen Haustiere

Aus 1. Mose 6, 13 – 19:

„Da sprach Gott zu Noah: Das Ende alles Fleisches ist vor mich gekommen; denn die Erde ist durch sie erfüllt von Gewalttat; und siehe, ich will sie verderben mit der Erde. Mache dir eine Arche aus Goferholz; mit Zellen sollst du die Arche machen und sie von innen und von außen mit Pech verpichen! […] Denn ich, siehe, ich bringe die Wasserflut über die Erde, um alles Fleisch unter dem Himmel, in dem Lebensodem ist, zu vernichten; alles, was auf der Erde ist, soll umkommen. Aber mit dir will ich meinen Bund aufrichten, und du sollst in die Arche gehen, du und deine Söhne und deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir. Und von allem Lebendigen, von allem Fleisch, sollst du je zwei von allen in die Arche bringen, um sie mit dir am Leben zu erhalten; ein Männliches und ein Weibliches sollen sie sein!“

Die Arche ist kein Boot mit Steuerruder und Segeln gewesen. Im Grunde war sie nichts weiter als eine Holztruhe mit Deckel und Seitentür, wasserdicht gemacht durch Pech. Sie war ein Kasten, der im unendlichen Wasser hin und her trieb, angewiesen auf die Gnade und Führung des Gottes, der ihren Bau durch Noah veranlasst hatte. Aufbewahrt in dieser Schatztruhe: ein gottesfürchtiger Mann und seine Familie, Raub-, Wild- und Nutztiere, sowie die nötige Nahrung für eine längere Zeit des Umhertreibens, sicher verschlossen und verborgen in Dämmer und Dunkelheit. Von außen hätte niemand ahnen können, was der Kasten im Inneren enthielt. Ein Geheimnis, aufbewahrt für einen vorherbestimmten Zeitpunkt und Zweck. Ein besonderer Vorrat Gottes. Durch das Wasser hindurch werden Noah und seine Lieben gerettet und als sie endlich aus der Seitentür die Flanken des Ararat hinabsteigen, atmen sie die Luft des ersten Tages einer neuen Geschichte Gottes mit der gesamten Menschheit. Hatte Gott zuvor beschlossen, das gewalttätige Menschengeschlecht auszuradieren, so verspricht er Noah und allen seinen Nachkommen (also auch uns!), dass es nie wieder geschehen wird. Ist es besser geworden mit der Schöpfung Gottes? Nein, selbst Jesus sagte vor über 2000 Jahren, dass Tage kommen, in denen die Menschen tun werden wie zu Noahs Zeiten, weder an Gott noch an seine Gebote denkend, ehe die Tage dieser Welt sich dem Ende zuneigen. Gott wird keine weitere Flut schicken, um zu vernichten, sondern er setzt durch Noah das Zeichen der Gnade und Rettung. Der Mensch soll wie durch das Wasser hindurch kommen, vor dem sicheren Tod zu einem neuen Leben und Bund mit Gott aufbewahrt. Die Mutter des Mose kannte die Geschichte Noahs und sie handelte danach. Die zweite Kiste Gottes bewahrte so einen weiteren Schatz, dieses Mal für das Volk Israel, an dem Gott noch einmal sehr viel deutlicher zeigen konnte, dass er kein Interesse an der Vernichtung hat, sondern an der Rettung.

Die zweite Kiste – Ein Baby und sein Bett

  1. Mose 2, 1 – 10:

„Und ein Mann vom Haus Levi ging hin und nahm eine Tochter Levi zur Frau. Und die Frau wurde schwanger und gebar einen Sohn. Als sie sah, dass er schön war, verbarg sie ihn drei Monate lang. Und als sie ihn nicht länger verbergen konnte, nahm sie für ihn ein Kästchen aus Schilfrohr und verklebte es mit Asphalt und Pech, legte das Kind hinein und setzte es in das Schilf am Ufer des Nil. Seine Schwester aber stellte sich in einiger Entfernung hin, um zu erfahren, was mit ihm geschehen würde. Und die Tochter des Pharao ging hinab, um am Nil zu baden, während ihre Dienerinnen am Ufer des Nil hin und her gingen. Und sie sah das Kästchen mitten im Schilf und sandte ihre Magd hin und ließ es holen. Und als sie es geöffnet hatte, sah sie das Kind, und siehe, ein weinender Junge lag darin. Da hatte sie Mitleid mit ihm und sagte: Das ist eins von den Kindern der Hebräer. Und seine Schwester sagte zur Tochter des Pharao: Soll ich hingehen und dir eine stillende Frau von den Hebräerinnen herbeirufen, damit sie das Kind für dich stillt? Die Tochter des Pharao antwortete ihr: Geh hin! Da ging das Mädchen hin und rief die Mutter des Kindes herbei. Und die Tochter des Pharao sagte zu ihr: Nimm dieses Kind mit und stille es für mich, dann werde ich dir deinen Lohn geben! Da nahm die Frau das Kind und stillte es. Als aber das Kind groß geworden war, brachte sie es der Tochter des Pharao, und es wurde ihr zum Sohn. Und sie gab ihm den Namen Mose, indem sie sagte: Ich habe ihn ja aus dem Wasser gezogen.“

Dieses Mal ist es nicht Gott, der eine vollständige Vernichtung verlangt. Es ist der Pharao, der seine Herrschaft und Existenz als göttliche begreift. Er hat Angst vor dem kräftigen, fruchtbaren Volk der Hebräer und verfügt, dass alle männlichen Neugeborenen sofort getötet werden sollen. Ja, nach und nach bedeutet es, dass nur noch Sklavenmädchen übrig bleiben. Sie werden schon im Volk aufgehen und keiner wird mehr an die Hebräer denken, ihr Volk vergeht und wird vergessen werden. Doch die Liebe einer Mutter und ihr tiefer Herzensglaube an einen rettenden Gott vollbringt das Wunder. Für das Körbchen, in dem Mose liegt, wird tatsächlich dasselbe Wort wie für die Arche verwendet. Ja, Mose liegt in einem zusammengebauten, mit Pech abgedichteten Kasten. Eine kleine Arche schwimmt auf dem Wasser des großen, gewaltigen Nil. Darin ein Schatz, den Gott sich aufbewahrt für einen bestimmten Tag und Zweck. Mose, der aus dem Wasser Gezogene, der todgeweihte Knabe, der durch das Wasser hindurch zum Leben kommt. Zuerst zum Prinzen Ägyptens gemacht und später Prophet und Anführer seines Volkes. Mittels ihm schließt Gott am Sinai seinen Bund des Lebens mit seinem Volk Israel. Und ja, Israel selbst muss wie Mose durch das Wasser. Sie ziehen durch das Schilfmeer, den drohendenden Tod durch die Ägyptische Armee hinter sich, das verheißene Leben ihres Gottes vor sich. Und dieser Gott kommt seinem Volk noch viel näher, indem er seine Macht und Kraft mitten unter ihnen wohnen lässt, verborgen in einem Kasten, den sie mit sich tragen. Gott selbst steckt sich nun in eine Kiste.

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Die dritte Kiste – Steinplatten in einer Truhe

Josua 3, 6 – 13:

„Und Josua sagte zu den Priestern: Hebt die Bundeslade auf und zieht vor dem Volk hinüber! Da hoben sie die Bundeslade auf und zogen vor dem Volk her. Und der HERR sprach zu Josua: Heute will ich beginnen, dich in den Augen von ganz Israel groß zu machen, damit sie erkennen: Genauso wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein. Du aber befiehl den Priestern, die die Bundeslade tragen: Wenn ihr an das Ufer des Jordan kommt, so bleibt im Jordan stehen! Und Josua sagte zu den Söhnen Israel: Tretet heran und hört die Worte des HERRN, eures Gottes! Und Josua sagte weiter: Daran sollt ihr erkennen, dass der lebendige Gott in eurer Mitte ist und dass er die Kanaaniter, Hetiter, Hewiter, Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und Jebusiter ganz bestimmt vor euch vertreiben wird. Siehe, die Lade des Bundes des Herrschers der ganzen Erde zieht vor euch her in den Jordan. Nun denn, nehmt euch zwölf Männer aus den Stämmen Israels, je einen Mann für jeden Stamm! Und es wird geschehen, sobald die Fußsohlen der Priester, die die Lade des HERRN, des Herrn der ganzen Erde, tragen, im Wasser des Jordan stillstehen, wird das Wasser des Jordan, das von oben herabfließende Wasser, abgeschnitten werden, und es wird stehen bleiben wie ein Damm.“

 

Es gab schon wilde Theorien darüber, was genau die Bundeslade eigentlich war. Manch einer hat vermutet, sie wäre so etwas wie ein sehr leistungsstarker Akku gewesen. Eine Art megastarke Batterie mit krasser Wirkung. Fakt ist, wir lesen davon, dass sie ein nicht sehr großer Kasten aus Holz war, mit Deckel und – ja, ziemlich chic muss man sagen – komplett vergoldet. Aber eben nichts weiter als eine Truhe, nüchtern betrachtet. Ein Aufbewahrungskasten. Wie die Arche und wie das Bett des kleinen Mose auf dem Nil. Was lag in der Kiste? Zwei aus Stein herausgeschnittene Tafeln mit eingravierter Schrift. Die zehn Gebote Gottes, die er seinem Volk am Sinai mitgeteilt hat. Gott lässt sein Wort in einer Kiste aufbewahren und teilt seinem Volk mit, dass er unter ihnen ist. Gott identifiziert sich mit seinem Wort. Er selbst ist sein Wort. Sein Wort ist er selbst unter seinem Volk. Sein Wort ist heilig, weil er selbst heilig ist. Vermittels seines Wortes ist Gott und damit seine Kraft unter den Israeliten. Das ist sein Geheimnis, das er in dieser Kiste aufbewahren lässt. Und wieder muss der Mensch Gottes durch das Wasser. Die Generation, die aus Ägypten entkommen ist, ist in der Wüste alt geworden und gestorben. Die Kinder dieser Entkommenen sollen jetzt in das verheißene Land ziehen. Sie treten aus der todesgefährlichen Wüste des Mangels durch das Wasser des Jordan in das Land der Fülle und Fruchtbarkeit. Israel muss wieder, so wie Noah und Mose, durch das Gewässer. Vom Tod zum Leben. Auch die dritte Kiste Gottes teilt uns dasselbe mit: Gott will Rettung und Leben für sein Volk, nicht Tod und Vernichtung. Israel ist der erste Sohn Gottes. Das Zeichen für alle anderen Völker. Sie legen durch ihr Dasein und ihre Geschichte das Zeugnis für den lebendigen Gott ab. Einen Gott der Nähe und Rettung.

Die vierte Kiste – Noch ein Baby und sein Bett

Lukas 2, 1 – 7:

„Es geschah aber in jenen Tagen, dass eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. Diese Einschreibung geschah als erste, als Quirinius Statthalter von Syrien war. Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine Vaterstadt. Es ging aber auch Josef von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa, in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, um sich einschreiben zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war. Und es geschah, als sie dort waren, wurden ihre Tage erfüllt, dass sie gebären sollte; und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war.“

Lukas 3, 21 – 23:

„Es geschah aber, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft war und betete, dass der Himmel geöffnet wurde und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube auf ihn herabstieg und eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. Und er selbst, Jesus, war ungefähr dreißig Jahre alt, als er auftrat…“

Und ein letztes Mal bewahrt Gott in einem hölzernen Kasten sein Geheimnis für die bestimmte Stunde und den bestimmten Zweck auf. Jesus, das Fleisch gewordene Wort Gottes, liegt so hilflos wie einst Mose im Weidenkorb in einer Futterkrippe. Auch er entkommt nur knapp dem von Herodes verfügten Vernichtungsurteil. Er ist der Kommende, von dem Mose seinem Volk einst gesagt hat: Einen Propheten wie mich wird der Herr euch erwecken… Der Schielo, der Retter. Und mehr als ein Prophet wie Mose im Korb. Das Wort und die Kraft Gottes in der Bundeslade. Die Krippe ist beides: Arche und Bundeslade. Sie enthält beides. Jesus, den wahren Menschen, geboren, aufgewachsen, umhergegangen, gestorben. Und Christus, den wahren Gott, Fleisch geworden, ausgesandt um zu heilen und zu befreien, auferstanden und am Ende der Zeit wiederkommend. In der Krippe begegnen sich Mensch und Gott in größtmöglicher Innigkeit. Der Schöpfer kommt seinem Geschöpf so nahe wie nur möglich, um es durch sich selbst zu retten. Und wieder ist es das Wasser, durch das der Mensch Jesus geht, ehe er seine Bestimmung erfüllt. Nicht umsonst lässt er sich taufen, geht durch das Wasser und beginnt dann erst zu wirken, sich seinem Volk zu offenbaren in Wort und Tat. Nicht umsonst sehen wir die Taufe als den Tod des alten Menschen und das Wiederauftauchen aus dem Wasser als den Beginn des Lebens des neuen Menschen, der Beginn des wahren, ewigen Lebens. So ist die Futterkrippe auch der Tisch des Herrn für uns. Er bewahrt das Himmelsbrot auf, an dem wir satt werden. Jesus sagt selbst von sich: Ich bin das Brot des Lebens… Und schließlich ist die Krippe auch ein vorausdeutendes Zeichen. Jesus wird in Tücher gewickelt und sicher verwahrt. Wie am Ende seines irdischen Weges. Auch da wird er in Tücher gewickelt und in der Dunkelheit des Grabes aufbewahrt, ehe er am dritten Tag aufersteht. Durch den Tod zum Leben, bewahrt in der Hand Gottes. Das ist das Geheimnis aller Kisten unseres Gottes. Sie verheißen, dass er uns nahe ist, uns aus dem Tod erlöst und durch die Tiefen des Wassers zu neuem Leben bringt. Darum geben uns Arche, Weidenkorb, Bundeslade und Krippe so eine übergroße Hoffnung. Denken wir daran, wenn wir unsere Weihnachtskisten abstauben und öffnen, dass wir in dieser Zeit und an jedem Tag gerne Gottes Kisten öffnen dürfen, um sein Geheimnis der Nähe zu uns zu entdecken.

(Alle Bibelstellen zitiert nach der Elberfelder Übersetzung)

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Über beatricegriguhn

Jesus liebende, exzessiv Tee trinkende, Bücher verschlingende Künstlerin mit Hang zu diversen Skurrilitäten

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