Angst vor dem Ende, Hoffnung auf Neues

Daniel 4, 7 – 12:

7 Was nun die Visionen, die ich auf meinem Lager hatte, betrifft, so schaute ich: Und siehe, ein Baum stand in der Mitte der Erde, und seine Höhe war gewaltig.

8 Der Baum wurde groß und stark, und seine Höhe reichte bis an den Himmel, und er wurde gesehen bis ans Ende der ganzen Erde.

9 Sein Laub war schön und seine Frucht zahlreich, und es war Nahrung an ihm für alle. Die Tiere des Feldes fanden Schatten unter ihm, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und alles Fleisch nährte sich von ihm.

10 Ich schaute in den Visionen, die ich auf meinem Lager hatte, und siehe, ein Wächter und Heiliger stieg vom Himmel herab.

11 Er rief laut, und so sprach er: Haut den Baum um und schlagt seine Äste ab! Streift sein Laub ab und streut seine Frucht umher! Fliehen sollen die Tiere unter ihm weg und die Vögel aus seinen Ästen!

12 Doch seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in einer Fessel aus Eisen und Bronze im Grün des Feldes! Vom Tau des Himmels mag er benetzt werden, und mit den Tieren soll er teilhaben am Gras der Erde!

 

Das Buch Daniel gehört zu den Schriften in der Bibel, die historisch und theologisch sehr schwer einzuordnen sind und dennoch (oder gerade deswegen) über alle Zeiten hinweg Bedeutung und Klang behalten. Der Wiederhall der Bilder in diesen Geschichten dringt auch durch in den Worten Jesu und findet noch einmal volle Entfaltung am Ende der Schrift in der Offenbarung des Johannes. Allein alle diese Verbindungen aufzuzeigen und darüber nachzudenken, könnte unzählige Bände füllen. Denn wir haben es hier mit einer prophetisch geprägten Schrift zu tun und es ist die Eigenart biblischer Prophetie, dass sie zugleich auf drei Ebenen stattfindet. Prophetische Träume, Visionen, Worte und Bilder greifen zunächst zurück auf das, was Gottes Volk in der Vergangenheit mit Ihm erlebt hat, sie betreffen zweitens immer die historische Gegenwart, in der sie festgehalten wurden und zuletzt weisen sie darüber hinaus auf Zukünftiges, das sich erst erfüllt. Prophetie wird aus der Perspektive der Ewigkeit, aus dem tiefen Schoß der Gegenwart Gottes geboren. Darum ist sie zugleich schwer verständlich und trotzdem vermag sie den Bogen über Jahrtausende zu spannen und Gottes Volk immer aufs Neue zu ermutigen und zu stärken. Ermutigung ist ihr innerster Kern, selbst dort, wo sie unheimlich wirkt und mahnt.

Einen winzigen Eindruck von der Stärke, die in der Prophetischen Schau liegt, vermag uns das obige Beispiel aus dem 4. Kapitel des Buches Daniel zu vermitteln. König Nebukadnezar (die Ereignisse spielen sich etwa um 600 vor Chr. ab) hat Jerusalem erobert und wie es üblich war, fand ein Bevölkerungsaustausch statt. Junge Männer aus der Elite des eroberten Volkes wurden zur Ausbildung an den königlichen Hof geholt. So auch unser Daniel, der in diesem Kapitel dem König einen Traum deuten soll. Nebukadnezar ist sehr beunruhigt darüber und schildert, was er gesehen hat: Ein großer Baum, der allen Vögeln und Tieren Schatten und Nahrung spendet, wird gefällt und nur noch sein Wurzelstock bleibt in der Erde. Daniel deutet dem König das Bild. Hier werden wir stark an die Geschichte von Josef (1. Buch Mose) erinnert, der einst dem Pharao die Träume deutete. Auch Josef war ein aus seiner Heimat Verschleppter, der an einem fremden Königshof zu Dienst und Ehren kam. Hier finden wir also jene Dimension der Prophetie, die sich auf die Vergangenheit des Volkes Israel bezieht, die fortlaufende Offenbarung Gottes.

Folgendermaßen legt Daniel nun dem Herrscher das Bild des Traumes aus: Der Baum ist Nebukadnezar selbst, sein großes Weltreich, das zahlreiche Völker umfasst. Die Tiere und Vögel sind die einzelnen Nationen, die unter dem Recht und der Herrschaft dieses Reiches ihr Auskommen und ihren Schutz finden. Doch die Herrschaft Nebukadnezars wird ein jähes Ende nehmen, man nimmt ihm die Königswürde. Der Stumpf jedoch bleibt und seine Herrschaft wird neu erblühen. Der Rest der Geschichte ist ebenso rätselhaft. Für etwa sieben Jahre verliert der König den Verstand und damit die Fähigkeit und Berechtigung, die Herrscherwürde auszuüben. Nach dieser Zeit wird er von seinen Beamten wieder eingesetzt und kann seine Herrschaft noch vergrößern. Das Kapitel endet damit, dass Nebukadnezar anerkennen muss, dass allein Gott zulässt, wer Macht und Herrschaft erlangt. Sie können gegeben und wieder genommen werden. Das also ist die gegenwärtige Dimension dieser Prophetie.

Wer die anderen Kapitel des Buches Daniel kennt, der weiß, dass es auch ein allgemeines Bild ist. Weltreiche und Herrschaften wachsen auf, gedeihen eine Zeit lang und gehen wieder unter. Ein Wurzelstock jedoch bleibt. Wieder neue Menschen erlangen Macht und neue Reiche entstehen auf den Ruinen der alten Reiche. Alles Volk sucht immer wieder neu Leben und Zuflucht in den verschiedensten es umgebenden Herrschaftsmustern. Das ist Prophetie. Sie betrifft Nebukadnezar und seine Zeit und sie weist zugleich darüber hinaus. Die dritte Dimension des Wortes.

Das Bild des Baumes, der wächst und Zuflucht gibt, ist durch die Schrift hindurch bekannt. Jesus selbst greift in einem sehr kurzen Wort den Traum des Königs auf. Mehr als 600 Jahre später lehrt er seine Jünger und spricht zu ihnen über das kommende Reich Gottes. Dazu gebraucht er folgendes Bild:

Lukas 13, 18 – 19:

18 Er sprach aber: Wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ich es vergleichen?

19 Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf; und es wuchs und wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen.

Jesus Christus ist der Eckstein und Fels, der die Reiche dieser Welt erschüttert, indem er das Senfkorn ausgestreut hat.

Daniel 2, 45:

Wie du [Anm.: der König in einem anderen Traum] gesehen hast, dass von dem Berg ein Stein [Anm.: ein Stein bzw. Fels, von Gott selbst ausgeschickt, daher nicht von Menschenhand] losbrach, und zwar nicht durch Hände, und das Eisen, die Bronze, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte [Anm.: die einzelnen Reiche dieser Welt]. Ein großer Gott lässt den König wissen, was nach diesem geschehen wird; und der Traum ist zuverlässig und seine Deutung zutreffend.

Sämtliche von Menschenhand errichteten Reiche und Herrschaften, auch unsere geliebte Demokratie, die wir (zu Recht) so sehr schätzen, sind nicht von ewiger Dauer. Alles endet und wird durch neue Strukturen abgelöst, die auf den alten Fundamenten neu aufwachsen. Bis einmal alles sein Ende findet und der Stein die ganze Welt ausfüllt. Das Reich Gottes, das kommt. Davon spricht Jesus in seinem Wort und er greift damit den Traum Nebukadnezars bewusst auf und deutet ihn wieder neu für uns.

Das Bild Nebukadnezars empfinde ich auch als treffend für unsere Zeit, in der wir erleben, dass alte Dinge ängstlich konserviert werden, andere Menschen wiederum nach Umsturz und Neuheit schreien, ja regelrecht brüllen. Dinge enden. Wir spüren das und empfinden Skepsis und Angst, denn wir sind die Vögel des Himmels (die Nationen aus allen Himmelsrichtungen), die sich irgendwo im Zweig des Weltbaumes ein sicheres Nest bauen wollen. Darum machen uns Veränderungen Angst. Gott versucht uns mit Seinem Wort nicht diese Ängste zu nehmen. Im Gegenteil. Er scheint sie zunächst zu bestätigen. Alles wird enden, alles wird durch den Fels vom Himmel zerschmettert. Nichts, was der Mensch aufbaut, hat Bestand. Es ist eben der Fluch der Zeit, dass sie vergeht und die Dinge mit ihr vergehen. Jesus nun tröstet uns damit, dass es da ein anderes Reich gibt. Ein Senfkorn wird in die Erde gesät. Ein sehr winziges Körnchen wie wir wissen. Und doch wird daraus ein riesiger Baum der Zuflucht.

Das Wort Gottes wird in die Welt gestreut und es wächst auf. In welcher Form wächst dieser Baum? Was ist der Garten, in den dieses Korn gesät wird? Der Garten ist unser Herz (siehe das Gleichnis vom Sämann, z. Bsp. in Lukas 8, 11 – 15). Das Senfkorn ist das gute Wort Gottes. Wenn wir es bereitwillig in uns aufnehmen und wachsen lassen, dann werden wir dieser Baum, der den Vögeln und Tieren Zuflucht bietet. Wir werden zur Zuflucht für andere, wenn wir unser Herz verändern lassen. Wenn wir zulassen, dass Gott in unser Herz Vergebung, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit hinein sät, dann werden unsere Zeige anderen Schatten spenden, anderen, die ängstlich und verwirrt an Altem festhalten oder nach Neuem schreien. Was ewig ist, hat Bestand. Dass Strukturen sich verändern, soll uns keine Angst machen, denn sie müssen sich ändern wie sie es seit tausenden von Jahren getan haben. Unser Kampf führt uns nicht nach links und nicht nach rechts, sondern nach vorn und nach oben. Wir sollen unsere Zweige fröhlich ausstrecken.

Philipper 3, 13 – 14:

13 Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist,

14 und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.

Wenn wir uns nicht verwirren und ängstigen lassen, sondern am Ewig Gültigen festhalten, dann gilt uns diese wundervolle Verheißung aus Psalm 1:

1 Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt,

2 sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht!

3 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm.

4 Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

5 Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

6 Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht.

Nichts brauchen wir mehr in dieser Zeit!

 

 

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