Vorbemerkung:

Originaltitel: „Unspoken Sermons“ Series One (Griechisch: Epea Aptera) von George MacDonald, zuerst veröffentlicht 1867. Online frei verfügbar (Gutenberg Projekt)

Übersetzt von Beatrice Griguhn

Für die zitierten Bibelstellen wurde eine ältere Version der Bibel nach Martin Luther (eine mir verfügbare Auflage aus dem Jahr 1928) verwendet, um in der hier vorliegenden Übersetzung von „Unspoken Sermons“ dem Sprachgebrauch der von George MacDonald verwendeten King James Bible nahe zu kommen.

Insgesamt geplant: 12 Blogbeiträge zu den 12 Kapiteln

Der größere Glaube

„Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubest du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Johannes 20,29

Das aufstrebende Kind wird oft durch einen abgestumpften Jünger überprüft, der seine Lektionen so unvollkommen gelernt hat, dass er niemals über seine Schulbücher hinausgekommen ist. Voll von bruchstückhaften Regeln hat er den Grundsatz von keiner von ihnen verinnerlicht. Das Kind nähert sich ihm mit einem Ausbruch ungewöhnlichen Gefühls, einem Aufflackern lebendiger Hoffnung, einer weitreichenden Vorstellungskraft, die in den Kreis religiöser Theorie die natürliche Welt hineinzieht und die noch weitreichendere Welt der Menschlichkeit, denn für das Kind erfüllen die Taten des VATERS alle Räume; es hat noch nicht gelernt, zwischen Gott und Natur, zwischen Vorsehung und Gnade, zwischen Liebe und Wohlwollen zu unterscheiden; – das Kind kommt, meine ich, mit einem erfüllten Herzen und die Antwort, die es von dem abgestumpften Jünger empfängt, ist – „Gott hat in seinem Wort nichts darüber gesagt, deshalb haben wir kein Recht, irgendetwas davon zu glauben. Es ist besser, nicht über solche Dinge zu spekulieren. Wie wünschenswert es uns auch erscheinen mag, wir haben damit nichts zu schaffen. Es ist nicht offenbart.“ Denn solch ein Mensch ist unfähig anzunehmen, dass etwas, das vor ihm verborgen geblieben ist, dem Kind offenbart worden sein mag. Darum gebietet er mit der Autorität von Jahren der Unwissenheit dem Kind, denn er glaubt an keine Offenbarung außer der Bibel und an ihr Wort allein. Für ihn hat alle Offenbarung mit der Bibel aufgehört und liegt in ihr vergraben, um mit Schwierigkeit ausgegraben zu werden und, durch viel Befragung der vergänglichen Form, wiedervereint zu werden zu einem steifen Knochengerüst einer methaphysischen und gesetzmäßigen Einrichtung, um die Liebe Gottes ihren Weg nehmen zu lassen, ohne durch die anderen Vollkommenheiten seines Wesens überprüft zu werden.

Aber für den Menschen, der die ganze göttliche Form seines Daseins ausleben wollte, sich selbst nicht auf eine zerbrochene Ecke seines Königreichs beschränkend, um den Rest den Teufeln zu überlassen, die solche Wüsten heimsuchen, werden tausend Fragen auftauchen, welche die Bibel nicht einmal andeutet. Hat er damit wirklich nichts zu schaffen? Liegen sie jenseits seines Verantwortungsbereichs? „Lass sie“ sagt der abgestumpfte Jünger. „Ich kann nicht“ entgegnet der Mensch. „Nicht nur, dass der Grad des Seelenfriedens, ohne den zu handeln unmöglich ist, von der Antwort auf diese Fragen abhängt, sondern auch mein Verhalten selbst muss diesen Antworten entsprechen.“ „Lass sie zumindest solange, bis Gott beschließt, sie zu klären, wenn er es jemals tun wird.“ „Nein. Fragen verlangen Antworten. Er hat die Frage in mein Herz gelegt; er bewahrt die Antwort in seinem. Ich will sie bei ihm suchen. Ich werde warten, aber erst, wenn ich angeklopft habe. Ich werde geduldig sein, aber erst, wenn ich gefragt habe. Ich werde suchen bis ich finde. Er hat etwas für mich. Mein Gebet soll aufsteigen zu dem Gott meines Lebens.“

Die ganze Angelegenheit wäre tatsächlich traurig, wenn die Bibel uns alles gesagt hätte, was Gott wollte, das wir glauben. Doch hierin wird der Bibel äußerst Unrecht getan. Sie erhebt nirgends den Anspruch, als das Wort angesehen zu werden, als der Weg, als die Wahrheit. Die Bibel führt uns zu Jesus, die unerschöpfliche, die sich stetig entfaltende Offenbarung Gottes. Es ist Christus „in dem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“, nicht die Bibel, außer sie führt zu ihm. Und warum wird uns gesagt, dass diese Schätze verborgen sind in ihm, der die Offenbarung Gottes ist? Sollten wir daran verzweifeln, sie zu finden und aufhören, nach ihnen zu suchen? Sind sie nicht in ihm verborgen, damit sie uns zu geeigneter Zeit offenbart werden mögen – das heißt, wenn wir sie benötigen? Ist nicht ihre Verborgenheit in ihm der vermittelnde Schritt für ihre Entfaltung in uns? Ist er nicht die Wahrheit? – die Wahrheit für die Menschen? Ist er nicht der Hohepriester seiner Brüder, um all den bekümmerten Fragestellungen zu antworten, die in ihrer trüben Menschlichkeit auftauchen? Denn es ist sein Herz, welches

Von Güte, Weisheit und Gerechtigkeit enthält die vollkommene Gestalt.

Didymus [griech: Zwilling – Beiname des Jüngers Thomas] antwortet: „Ohne Zweifel, was wir jetzt nicht wissen, werden wir hernach wissen.“ Es mag sicherlich Dinge geben, welche durch den bloßen Eintritt in ein anderes Stadium des Daseins erleuchtet werden; doch die Fragen, die im Hier kommen, müssen im Hier erörtert werden und wenn sie hier nicht beantwortet werden, dann müssen sie dort auch erörtert werden, bis sie beantwortet sind. Da ist mehr in Christus verborgen, als wir jemals lernen werden, sowohl hier als auch dort; doch jene, die zuerst anfangen nachzufragen, werden bald mit Offenbarung erfreut werden; und über sie wird er am zufriedensten sein, denn die Langsamkeit seiner Jünger hat ihn von alters her bekümmert. Zu sagen, dass wir auf die andere Welt warten müssen, um den Geist dessen, der in diese Welt kam, um uns sich selbst zu geben, zu kennen, erscheint mir als Torheit eines weltlichen und trägen Geistes. Der Sohn Gottes ist der Lehrer der Menschen, ihnen von seinem Heiligen Geist gebend – der Heilige Geist, welcher die tiefen Dinge Gottes bekundet, für einen Menschen den Geist des Christus. Der große Abfall der Kirche der Gegenwart ist Unglaube an diesen Heiligen Geist. Die Masse der Kirche glaubt nicht, dass der Heilige Geist eine Offenbarung für jeden einzelnen Menschen hat – eine Offenbarung so verschieden von der Bibel wie die Nahrung in dem Augenblick, wenn sie in das lebendige Hirn und die Nerven dringt, sich von Brot und Fleisch unterscheidet. Wenn wir einst mit dem Geist des Christus gefüllt wären, sollten wir wissen, dass die Bibel ihr Werk getan hat, es erfüllt ist und für uns vorübergegangen ist, dass dadurch das WORT unseres Gottes für immer weilt. Der eigentliche Nutzen der Bibel ist, uns auf Jesus sehen zu lassen, dass wir durch ihn seinen VATER und unseren VATER kennen, seinen Gott und unseren Gott. Bis wir Ihn solcherart kennen, lasst uns die Bibel wertschätzen als den Mond in unserer Finsternis, mit dem wir Richtung Osten reisen; nicht wertschätzen wie die Sonne, woher das Licht kommt und zu der wir eilen, dass wir, in der Sonne selbst wandelnd, den Spiegel, der die abwesende Helligkeit reflektierte, nicht mehr brauchen mögen.

Doch diese Lehre des Heiligen Geistes ist noch nicht mein Ziel, obwohl, wäre sie nicht wahr, wäre all unsere Religion nichtig, die von Paulus und die von Sokrates. Was ich sagen und zeigen möchte, wenn ich darf, ist, dass ein Mensch Gott besser gefällt, wenn er einige Dinge glaubt, die ihm nicht gesagt werden, als wenn er seinen Glauben auf die Dinge beschränkt, die ausdrücklich gesagt wurden – gesagt, um in uns die Fähigkeit zur Wahrheitsschau zu erwecken, das geistliche Verlangen, das Gebet für die guten Dinge, die Gott jenen geben wird, die ihn fragen.

„Aber ist das nicht eine gefährliche Lehre? Wird nicht ein Mensch, solcherart gelehrt, die Dinge glauben, die er am liebsten hätte, gar für das zu beten, was er am liebsten hätte? Und wird er nicht hochmütig werden in seiner Zuversicht?“

Wenn es wahr ist, dass der Heilige Geist mit unserem Geist ist; wenn es wahr ist, dass Gott die Menschen lehrt, dann mögen wir diese gefürchteten Ergebnisse getrost ihm überlassen. Wenn der Mensch in der Gemeinschaft des HERRN ist, dann ist er sicherer bei ihm als bei jenen, die ihre Sicherheit bewahren wollen, indem sie an Äußerlichkeiten hängen und nichts wagen. Wenn er von Gott nicht in Bezug auf das, was er hofft, gelehrt wird, wird Gott es ihn wissen lassen. Er wird etwas anderes empfangen als das, wofür er betet. Wenn er zu Gott um irgendetwas beten kann, was nicht gut ist, wird die Antwort in den Flammen jenes verzehrenden Feuers kommen. Dies wird ihn bald zu geistlichen Sinnen bringen. Doch es wird weitaus besser für ihn sein, auf diese Weise heftig gemartert zu werden, als im Schneckentempo die Reise des geistlichen Lebens anzugehen. Und was den Hochmut angeht, so habe ich nichts gesehen, was ihn schneller oder in anstößigsten Formen ausbrütet, als die Anbetung des Buchstabens.

Und zu wem sonst sollte ein Mensch, den der selige Gott gemacht hat, aufschauen für das, was er gerne hätte, wenn nicht zu diesem seligen Gott? Wenn wir tatsächlich dazu befähigt worden sind zu sehen, dass Gott unser VATER ist, wie der HERR uns lehrte, lasst uns von dieser Wahrheit aus voranschreiten, um zu verstehen, dass er weit mehr als Vater ist – dass seine Nähe zu uns jenseits der Verkörperung der höchsten Idee des Vaters ist; dass die Vaterschaft Gottes nur ein Schritt hin zur Gottheit ist für die, die es empfangen können. Was ein Mensch gerne hätte, mag Gottes Wille sein, mag die Stimme des Heiligen Geistes mit seinem Geist sein, nicht gegen ihn; und wenn, wie ich gesagt habe, es nicht so ist – wenn die Sache, die er erbittet, nicht seinem Willen entspricht – dann ist dort das verzehrende Feuer. Die Gefahr liegt nicht darin, etwas von Gott zu erbitten, was nicht gut ist, noch im Hoffen darin, es von ihm zu empfangen, sondern ihn nicht zu fragen, ihn nicht in unserem Rat zu haben. Noch wird die Tatsache, dass wir nicht wagen, seinen Willen zu erfragen, uns vor der Notwendigkeit bewahren, in einigen solchen Dingen zu handeln, die wir unoffenbart nennen und wo werden wir uns dann befinden? Noch, einmal mehr, ist es üblich für solch einen Zustand es Geistes, dass das Buch selbst viel Offenbarung enthalten wird.

Die ganze Angelegenheit mag sicher Gott überlassen werden.

Doch ich zweifle, ob ein Mensch irgendetwas von Gott erbitten kann, was schlecht ist. Sicherlich ist jemand, der begonnen hat zu ihm zu beten, Kind genug, das Schlechte vom Guten zu unterscheiden, wenn es sich ihm genähert hat und er wagt nicht, dafür zu beten. Wenn ihr mich auf David hinweist, der solch fürchterliche Gebete gegen seine Feinde gesprochen hat, antworte ich, dass ihr sie in eurem Wissen über den Mann selbst und seine Geschichte lesen müsst. Bedenkt, dass er es ist, welcher, immerhin mit dem brennenden Herzen eines Orientalen, als sein größter Feind in seine Hände gegeben wurde, anstelle die Vergeltung eines Orientalen zu üben, sich damit zufrieden gab, den Zipfel seines Gewandes abzuschneiden. Es war Gerechtigkeit und Recht, nach denen er sich in seiner Seele sehnte, obwohl seine Gebete eine wilde Form der Worte annahmen. Gott hörte ihn und gab ihm, was ihn zufrieden stellte. In einem guten Menschen schließlich „ist Vergeltung“, wie Lord Bacon sagt, „eine Art von wilder Gerechtigkeit“ und ist einfach zu befriedigen. Dem Verlangen des Herzens über die Feinde eines solchen wird am besten begegnet und es wird am besten gewährt, wenn der Hass in Liebe und Barmherzigkeit verwandelt wird.

Doch ich möchte eher über Hoffnungen als über Gebete schreiben.

Was sollte ich von meinem Kind denken, wenn ich herausfände, dass es seinen Glauben an mich und seine Hoffnung auf mich auf die wenigen Versprechen beschränkt, die es mich hat äußern hören! Der Glaube, der sich selbst auf die Versprechen Gottes beschränkt, erscheint mir an dem armseligen Charakter eines solchen Glaubens in meinem Kind teilzuhaben – gut genug für einen Heiden, doch für einen Christen ein elender und erbärmlicher Glaube. Jene, die in solch einem Glauben ruhen, würden sich wohl behaglicher fühlen, wenn sie Gottes Bund statt sein Wort hätten, welches sie nicht als den Ausdruck seines Charakters betrachten, sondern als Unterpfand seiner Ehre. Sie versuchen, an die Wahrheit seines Wortes zu glauben, doch die Wahrheit seines Seins verstehen sie nicht. Sie überzeugen sich selbst, Zuversicht in seinen Schwur zu haben: an ihn selbst glauben sie nicht, weil sie ihn nicht kennen. Darum wundert es wenig, dass sie jenen Schwingungen des Herzen misstrauen, welche sein Ziehen des Menschen zu ihm hin sind, wie die Sonne und der Mond die Wassermassen des Ozeans hafenwärts. Bruder, Schwester, wenn euer Glaube solcherart ist, werdet ihr nicht, dürft ihr nicht dort aufhören. Ihr müsst aus dieser Knechtschaft des Gesetzes kommen, welcher ihr den Namen der Gnade gebt, denn darin gibt es wenig, was gnädig ist. Ihr werdet dann die Würde eurer hohen Berufung kennen und die Liebe Gottes, die alles Wissen überschreitet. Er fürchtet eure anmaßende Annäherung nicht. Es seid ihr, die fürchtet, ihm nahe zu kommen. Er wacht nicht über seiner Würde. Es seid ihr, die befürchtet, weggeschickt zu werden wie die Jünger die Kinder weggeschickt haben würden. Es seid ihr, die ihr so viel an eure Seelen denkt und euch fürchtet, euer Leben zu verlieren, dass ihr nicht wagt, dem Leben des Lebens nahe zu kommen, weil es euch verzehren könnte.

Unser Gott, wir werden dir vertrauen. Sollten wir dich nicht gleich unserem Glauben finden? Eines Tages werden wir uns selbst auslachen, dass wir so wenig von dir erwartet haben; denn deine Gabe wird nicht durch unser Hoffen beschränkt.

Oh ihr Kleingläubigen! „in allen Dingen“ – Ich zitiere eure eigene Bibel; nein, mehr noch, ich zitiere eine göttliche Seele, die ihren Meister Christus kannte und in ihrer Stärke den Aposteln widerstand, um nicht zu sagen den Christen, in ihre Angesichter, weil sie nicht mehr als ein wenig an Gott glauben konnten; sie konnten nur für sich selbst und nicht für ihre Gefährten glauben; konnten für die wenigen der auserwählten Nation glauben, für welche sie Gottes altes Wort hatten, doch sie konnten nicht für die Vielzahl der Nationen glauben, für die Millionen von Herzen, die Gott geschaffen hat, um ihn zu suchen und zu finden; – „In allen Dingen“, sagt Paulus, „In allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.“ Für dieses in allen Dingen ist nichts zu klein. Dass es uns bekümmert, ist genug. Da ist etwas Grundsätzliches inbegriffen, was sogar der Aufmerksamkeit Gottes selbst wert ist, denn hat er uns nicht so geschaffen, dass uns diese Sache bekümmert? Und für dieses in allen Dingen kann sicher nichts zu groß sein. Wenn der Sohn des Menschen kommt und zu viel Glauben auf Erden findet – mag Gott uns in seiner Gnade erschlagen. Inzwischen werden wir hoffen und vertrauen.

Haltet ihr es für einen großen Glauben, zu glauben, was Gott gesagt hat? Es scheint mir, ich wiederhole, ein kleiner Glaube und des Tadels wert. Zu glauben, was er nicht gesagt hat, ist tatsächlich Glaube und gesegnet. Denn dies kommt vom Glauben an IHN. Könnt ihr nicht an Gott selbst glauben? Oder, gesteht, – findet ihr es nicht sehr schwer zu glauben, was er gesagt hat, dass sogar dies mehr ist, als ihr tun könnt? Wenn ihr fragt, warum, wird nicht die wahre Antwort sein – „Weil wir nicht wirklich sicher sind, dass er es gesagt hat“? Wenn ihr an Gott glaubtet, würdet ihr es leicht finden, das Wort zu glauben. Ihr würdet nicht einmal nötig haben zu fragen, ob er es gesagt hat: Ihr würdet wissen, dass er es so meinte.

Lasst uns also etwas wagen. Lasst uns nicht für immer ungläubige Kinder sein. Lasst uns in Erinnerung behalten, dass der Herr, nicht jene abweisend, die darauf bestehen zu sehen, bevor sie glauben werden, jene segnete, die nicht gesehen haben und doch geglaubt haben – jene, die ihm mehr als das vertrauen – die ohne die Sicht der Augen glauben, ohne das Hören der Ohren. Die sind gesegnet, für die ein Wunder kein Märchen ist, für die ein Geheimnis kein Hohn ist, für die eine Herrlichkeit keine Unwirklichkeit ist – die zufrieden sind zu fragen „Ist es Ihm ähnlich?“ Es sind stumpfherzige, unkindhafte Leute, die Gott immer wieder an seine Versprechen erinnern. Diese Versprechen sind gut, um zu offenbaren, wie Gott ist; wenn sie meinen, sie wären gut, Gott daran zu binden, lasst sie es so halten nach der Härte ihrer Herzen. Sie ziehen das WORT dem GEIST vor: es sei ihres.

Sogar diese Worte werden – einige von ihnen, wenn nicht alle – uns der „unverbindlichen Gnade Gottes“ überlassen. Wir verlangen nicht weniger; wir hoffen auf nichts Besseres. Diese sind die Gnaden jenseits unserer Höhe, jenseits unserer Tiefe, jenseits unserer Reichweite. Wir wissen, wem wir geglaubt haben und wir schauen aus nach dem, was noch nicht ins Herz des Menschen gekommen ist, es zu empfangen. Sollten Gottes Gedanken von des Menschen Gedanken übertroffen werden? Gottes Gaben von des Menschen Bitten? Gottes Schöpfung von des Menschen Vorstellungskraft? Nein. Lasst uns auf die alpinen Höhen unserer Wünsche steigen; lasst sie uns hinter uns lassen und die Speerspitzen des Himalayas unseres Strebens erklimmen; immer noch werden wir die Tiefe von Gottes Saphir über uns finden; immer noch werden wird die Himmel höher finden als die Erde und seine Gedanken und Wege höher als unsere Gedanken und Wege.

Ah HERR! sei du in unserem ganzen Dasein; wie nicht allein in den Sonntagen unserer Zeit, so auch nicht allein in den Räumen unserer Herzen. Wir wagen nicht zu denken, dass du es nicht kannst, dass du dich nicht kümmerst; dass manche Dinge nicht für deine Aufmerksamkeit gedacht sind, einige Fragen nicht an dich gestellt werden dürfen. Denn sind wir nicht alle Dein – völlig Dein? Das, was ein Mensch nicht zu seinem Gefährten spricht, sprechen wir zu dir. Unsere ganzen Sehnsüchte halten wir dir hin und sagen „Schau, HERR! Denk an uns; denn du hast uns solcherart geschaffen.“ Wir können unserer Geschichte nicht entkommen, indem wir in die Wildnis fliehen, indem wir unsere Köpfe im Sand des Vergessens verstecken oder in der Reue, die aus dem Schmerz kommt oder in der Trägheit der Hoffnungslosigkeit. Wir nehmen es, wie unser ganzes Leben, in unsere Hände und fliehen damit zu dir. Triumphierend ist die Antwort, welche du für jeden Zweifel erkühnst. Es mag sein, dass wir es noch nicht verstehen können, selbst wenn du es „durch das wundersamste Instrument“ sprichst. Doch du wirst zuletzt Glauben finden auf Erden, Oh HERR, wenn du kommst, um jetzt danach zu schauen – den Glauben unwissender, doch hoffnungsvoller Kinder, die wissen, dass sie nicht wissen und glauben, dass du weißt.

Und unsere Brüder und Schwestern, die sich an das klammern, was sie dein Wort nennen, denkend, dich so zufrieden zu stellen, sie sind in deinen heiligen, sicheren Händen, der du uns gelehrt hast, dass wer da redet ein Wort wider des Menschen Sohn, dem soll es vergeben werden; obwohl dem, der gegen den Heiligen Geist lästert, es nicht vergeben werden soll.

 

Erklärung:

Die Texte von George MacDonald sind im Netz im englischen Original leicht auffindbar, frei verfügbar und verwendbar. Es gibt bereits einige begonnene Übersetzungsversuche im Netz, die ich für meine Arbeit am Text jedoch nicht herangezogen habe, insofern verletze ich also keine Rechte. Die Konsultation war rein informativ, ob ein solches Projekt bereits existiert. Eine vollständige, offiziell verfügbare oder in Druckversion käuflich zu erwerbende Übersetzung der „Unspoken Sermons“ existiert meines Wissens nicht. Andere Werke von George MacDonald, speziell seine Kinderbücher, sind in Übersetzung und im englischen Original als Neuauflagen verfügbar.

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