Vorbemerkung:

Originaltitel: „Unspoken Sermons“ Series One (Griechisch: Epea Aptera) von George MacDonald, zuerst veröffentlicht 1867. Online frei verfügbar (Gutenberg Projekt)

Übersetzt von Beatrice Griguhn

Für die zitierten Bibelstellen wurde eine ältere Version der Bibel nach Martin Luther (eine mir verfügbare Auflage aus dem Jahr 1928) verwendet, um in der hier vorliegenden Übersetzung von „Unspoken Sermons“ dem Sprachgebrauch der von George MacDonald verwendeten King James Bible nahe zu kommen.

Insgesamt geplant: 12 Blogbeiträge zu den 12 Kapiteln

Liebe deinen Feind

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel; denn er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe die Zöllner? Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich tut, was tut ihr Sonderliches? Tun nicht die Zöllner also? Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Matthäus 5,43-48

Ist dies nicht auf lange Sicht zu viel erwartet? Wird ein Mensch je seine Feinde lieben? Er mag dahin kommen, jenen Gutes zu tun, die ihn hassen; doch wann wird er für jene beten, die ihn bösartig missbrauchen und verfolgen? Wann? Wenn er das Kind seines VATERS im Himmel ist. Dann wird er seinen Nächsten lieben wie sich selbst, selbst wenn dieser Nächster sein Feind ist. In dem Abschnitt in Levitikus (19,18), worauf bereits Bezug genommen wurde, als zitiert von unserem Herrn und seinen Aposteln, finden wir, dass der Nächste und der Feind eins sind. „Du sollst nicht rachgierig sein noch Zorn halten gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; denn ich bin der Herr.“

Schaut auf die herrliche Weise, in welcher Jesus die Schriften, die vor ihm waren, auslegt. „Ich bin der Herr“ – Dass ihr vollkommen seid wie euer VATER im Himmel vollkommen ist.“

Ist es denn vernünftig, unsere Feinde zu lieben? Gott tut es; daher muss es der höchste Grund sein. Doch ist es vernünftig zu erwarten, dass der Mensch in die Lage versetzt wird, ebenso zu tun? Ja; aus einem Grund: dass die göttliche Kraft im Menschen wirkt, das Handeln des Menschen auf lange Sicht als göttlich zu erweisen wie seine Natur es ist. Dafür betete unser Herr, als er sagte: „Auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; dass auch sie in uns eins seien.“ [Anmerkung: Zitat aus dem sog. Hohepriesterlichen Gebet Jesu im Johannesevangelium, das Jesus für seine Jünger und alle künftigen Gläubigen sprach, als er und die zwölf Jünger zum letzten Abendmahl zusammen kamen.] Nichts könnte im menschlicher Beurteilung unwahrscheinlicher sein: unser Herr weiß, dass es eines Tages so sein wird.

Warum sollten wir unsere Feinde lieben? Den tiefsten Grund dafür können wir nicht in Worte fassen, denn er liegt in der völligen Wirklichkeit ihres Seins, wo unsere Feinde mit uns einer Natur sind, sogar von göttlicher Natur. Dahinein können wir nicht sehen, ebenso wenig wie in einen dunklen Abgrund. Doch wir können etwas von der Gestalt dieses tiefsten Grundes andeuten, wenn wir unser Herz über das Angesicht der trüben Tiefe bewegen.

„Sind unsere Feinde Menschen wie wir selbst?“ lasst mich mit dieser Frage beginnen. „Ja.“ „Auf welcher Grundlage? Dem Grund ihrer Feindschaft? Dem Grund des Bösen, was sie uns tun?“ „Nein.“ „In der Tugend der Grausamkeit, Herzlosigkeit, Ungerechtigkeit, Verachtung, Unterstellungen?“ „Ganz sicher nicht. Humanun est errare [Anmerkung: lateinisch: Menschlich ist das Irren] ist eine Binsenweisheit, doch sie besitzt, wie die meisten Binsenweisheiten, einen verborgenen Kern würdiger Wahrheit. Genau das Wort errare ist ein Zeichen, dass es da eine so wahrhaft menschliche Art gibt, dass, sie zu verlassen, für den Menschen bedeutet umherzuirren. Wenn es menschlich ist zu irren, so ist das Umherirren doch nicht das Menschliche. Gerade die Worte menschlich und Menschlichkeit kennzeichnen einen Schatten dieser lieblichen Freundlichkeit, welche, wenn sie nach der göttlichen Weise vervollkommnet ist, selbst unsere Feinde einschließen soll. Wir nennen Menschenopfer, Folter von Gefangenen, Kannibalismus nicht – menschlich. Nicht dass die, die solches tun, keine Menschen wären. Ihre Menschlichkeit muss tiefer sein als das. Sie liegt in der Tugend des göttlichen Wesens, welches in ihnen ist, diese reine, zu Grunde liegende Menschlichkeit, wegen der wir unsere Feinde Männer und Frauen nennen. Es ist diese Menschlichkeit, die wir lieben sollen – etwas, sage ich, das insgesamt tiefer und außerhalb des Bereiches des Hasses liegt. Es ist diese Menschlichkeit, die dem Anspruch der Nächstenschaft zu Grunde liegt; die Nächstenschaft bestimmt nur die Gelegenheit ihrer Ausübung.“ „Liegt diese Menschlichkeit in jedem unserer Feinde?“ „Sonst gäbe es da nichts zu lieben.“ „Ist sie dort tatsächlich? – Dann müssen wir sie lieben, möge zwischen ihr und uns kommen, was mag.“

Doch wie können wir einen Mann oder eine Frau lieben, die grausem und ungerecht zu uns sind? – die mit Verachtung schäumen oder jede Ranke durch Falschheit abschneiden, die wir ihnen reichen? Die gemein, lieblos, nörgelnd, unbeständig, selbstgerecht, selbstsüchtig und selbstliebend sind? – die sogar höhnen, unmenschlichster aller menschlichen Fehler, weit schlimmer in ihrem Wesen als bloßer Mord?

Diese Dinge können nicht geliebt werden. Der beste Mensch hasst sie am meisten; der schlechteste kann sie nicht lieben. Doch sind diese Dinge der Mensch? Nimmt die Frau aufgrund dieser Dinge ihre Form an? Liegt nicht in dem Mann und in der Frau ein göttliches Element der Bruderschaft, der Schwesternschaft, etwas Liebliches und Liebenswertes, – langsam verblassend, das mag sein, – absterbend in der wütenden Hitze übler Leidenschaften oder noch viel furchtbarer in der Grabeskälte der Selbstsucht – aber es ist da? Soll dieses göttliche Etwas, welches, einmal erwacht zu seinem eigenen, heiligen Selbst im Menschen, diese unlieblichen Dinge zehnmal mehr ablehnen wird als wir es jetzt tun – soll dieses göttliche Ding keine Beachtung von uns erhalten? Es ist gerade die Gegenwart dieser verblassenden Menschlichkeit, die es uns möglich macht zu hassen. Wenn es nur ein Tier wäre und nicht ein Mann oder eine Frau, die uns verletzten, würden wir nicht hassen: wir würden es nur töten. Wir hassen den Menschen, gerade weil wir daran gehindert werden, ihn zu lieben. Wir stoßen ihn über den Rand der Schöpfung – wir verdammen – gerade weil wir ihn nicht umfassen können. Denn ihn zu umfassen ist die Notwendigkeit unseres tiefsten Seins. Ist das vereitelt, hassen wir. Anstatt uns selbst zu ermahnen, dass dort unser in Ketten liegender Bruder ist, dass dort unsere verwunschene, missgestaltete, kaum zu erkennende Schwester ist, Gefangene des Teufels, ihre Ketten aufzubrechen, wieviel eher sie von ihren Banden zu lösen, wenn wir sie lieben! – stoßen wir zurück in den Hass, welcher sie darin befestigt; und ihre höchst liebenswerte Wirklichkeit opfern wir der äußersten Falschheit der Einflüsterungen Satans und überlassen sie dem Verderben. Nein, wir morden sie, um sie loszuwerden, wir hassen sie. Und doch liegt in der höchsten Widerwärtigkeit unseres Hasses das, was, könnte es sich als das zeigen, was es ist und wie es sich eines Tages zeigen wird, unseren Herzen hingebungsvolle Liebe abnötigen wird. Es ist nicht die Unfreundlichkeit, das Unliebsame, das wir lieben sollen, sondern den Bruder, die Schwester, die unfreundlich sind, unliebsam sind. Sollen wir unseren Bruder seinem verzweifelten Schicksal überlassen? Sollen wir nicht lieber sagen „Mit meiner Liebe zuletzt sollst du umfasst werden, denn du hast keine eigene Liebenswürdigkeit, um dich darin einzuhüllen; Liebe soll dir so nahe kommen, wie sie kann; und wenn deine hervorkommt, um meiner zu begegnen, werden wir eins sein im innewohnenden Gott.“?

Lasst niemanden sagen, dass ich nur in einem Bildnis gesprochen habe. Dass ich so geredet habe, weiß ich. Doch viele Dinge, welche wir am lebendigsten und klarsten sehen, werden wahrhaftiger ausgedrückt, indem wir ein rechtes Bildnis verwenden, als wenn wir versuchen, ihnen eine klare Begrenzung durch logischen Ausdruck zu verleihen. Mein Bildnis bedeutet eine Wahrheit.

Wenn irgendjemand sagt „Mach keine solch vagen Andeutungen. Da ist die Person. Kannst du leugnen, dass diese Person nicht liebenswert ist? Wie also kannst du sie lieben?“ Ich antworte „Diese Person, wenn die böse Sache aus ihr getrieben ist, wird viel mehr die Person sein, denn sie wird ihr wahres Selbst sein. Die Sache, die dich dazu bringt, sie abzulehnen ist trennbar von ihr, ist also nicht sie, macht sie selbst so viel weniger sie selbst, denn sie bewirkt den Tod in ihr. Nun ist sie in Gefahr aufzuhören überhaupt eine Person zu sein. Wenn sie eingekleidet und bei richtigem Geiste [mind] ist, wird sie tatsächlich eine Person sein. Du könntest dann nicht fortfahren, sie zu hassen. Beginne, sie jetzt zu lieben und verhilf ihr zu der Liebenswürdigkeit, welche sie ist. Hasse sie nicht, obwohl du es kannst. Die Persönlichkeit, sage ich, obwohl umwölkt, beschmutzt, entstellt durch das Übel, liegt tiefer als das Übel und ist tatsächlich, so tief das Übel sie erreicht hat, durch das Übel verletzt, ja, so weit, es mag sein, zerstört.“

Doch jene, die den Anspruch der Liebe nicht anerkennen, mögen doch den Anspruch der Gerechtigkeit anerkennen. Es gibt jene, die mit Grauen vor der Idee zurückschrecken, jenen Ungerechtigkeit zu tun, wie vor der Idee, sie zu lieben, vor denen sie mit demselben Grauen zurückschrecken. Doch wenn es unmöglich ist, wie ich glaube, ohne Liebe gerecht zu sein, soviel mehr kann die Gerechtigkeit nicht zusammen mit dem Hass existieren. Das reine Auge für die wahre Sicht der Ansprüche eines Anderen kann nur zusammengehen mit dem liebenden Herzen. Der Mensch, der hasst, kann kaum besonders feinfühlig im Tun der Gerechtigkeit sein, ganz zu schweigen von der Liebe zum Nächsten, von den Vorlieben seines Nächsten und seinen Eigenheiten. Es ist schwer genug, gerecht zu unseren Freunden zu sein; und wie sollen unsere Feinde mit uns verfahren? Denn Gerechtigkeit verlangt, dass wir von unserem Nächsten recht denken, so sicher wie wir weder seine Güter stehlen noch falsches Zeugnis gegen ihn reden sollen. Der Mensch ist nicht zur Gerechtigkeit gegen seinen Gefährten geschaffen, sondern zur Liebe, welche größer ist als Gerechtigkeit, und indem es sie einschließt, die Gerechtigkeit übertrifft. Bloße Gerechtigkeit ist eine Unmöglichkeit, eine Fiktion des Analysierens. Sie gibt es nicht zwischen Mensch und Mensch, es sei denn im Verhältnis zu menschlicher Gesetzgebung. Gerechtigkeit als Gerechtigkeit muss viel mehr sein als Gerechtigkeit. Liebe ist das Gesetz unserer Verfassung, ohne welche wir Gerechtigkeit nicht mehr erbringen können als ein Mensch eine gerade Linie im Dunkeln laufen kann. Das Auge ist nicht allein und der Leib ist nicht voller Licht. Kein Mensch, der seinem Bruder gegenüber auch nur gleichgültig ist, kann die Ansprüche erkennen, welche seine Menschlichkeit an ihn hat. Nein, gerade die Gleichgültigkeit selbst ist eine Ungerechtigkeit.

Ich habe es als vorausgesetzt angenommen, dass der Fehler bei dem so betrachteten Feind liegt, denn auf diesem Grundstein wollte ich mein Fundament auslegen. Doch die Frage muss von jedem Menschen an sich selbst gestellt werden „Ist mein Nächster wirklich mein Feind oder bin ich meines Nächsten Feind und nehme ihn so als meinen wahr? – furchtbarer Gedanke! Oder, wenn er meiner ist, bin ich dann nicht seiner? Lehne ich es nicht ab, das Kind des Himmelreichs in seinem Busen anzuerkennen und töte auf diese Weise das Kind des Himmelreichs in meinem eigenen?“ Lasst uns für uns selbst nicht mehr Nachsicht beanspruchen als wir ihm zugestehen. Solche Ehrlichkeit wird zu Ernsthaftigkeit im Heim und zu Milde nach außen führen. Denn wir sind verantwortlich für das Übel in uns selbst und müssen es töten; für das Gute in unserem Nächsten und müssen es pflegen. Er nur kann, in dem Namen und in der Kraft Gottes, das Schlechte in sich töten; wir können das Gute in ihm pflegen, indem wir gut zu ihm sind über all den bösen Nebel hinweg, der zwischen unsere Liebe und sein Gutes tritt.

Noch darf vergessen werden, dass dieser Nebel oft das Ergebnis von Missverständnissen und Fehlern ist, Anlass für allerlei Empörungen, Verärgerungen und Bedauern. Kaum etwas an uns ist gerecht wie es scheint, doch im Kern ist Wahrheit genug, um alle Falschheit zu vertreiben und das Leben als unaussprechlich göttlich zu offenbaren. Oh Bruder, Schwester, über diesen leidigen Nebel hinweg, schwach erhellt durch die matten Fackeln unserer Wahrheits-Suche, rufe ich zu dem Göttlichen in euch, welches meines ist, nicht zu tadeln, nicht aufzuscheuchen, nicht zu sagen „Warum hasst du mich?“ sondern zu sagen „Ich liebe dich; in Gottes Namen liebe ich dich.“ Und ich will warten, bis das wahre Selbst aus deinen Augen schaut und das wahre Selbst in mir erkennt.

Doch im Wirken der Göttlichen Liebe auf das Menschengeschlecht [race], ist mein Feind dazu verurteilt aufzuhören, mein Feind zu sein, und mein Freund zu werden. Ein Aufblitzen der Wahrheit zu mir hin würde die Feindschaft sofort zerstören; ein Bekenntnis des Bösen von Herzen und unsere Feindschaft geht vorbei; aus einem jeden tritt der Bruder hervor, der die ganze Zeit im Feinde war. Dafür ist DIE WAHRHEIT am Wirken. Im Glauben daran lasst uns den Feind jetzt lieben, Gottes Wirken der Umkehr annehmend, wie es ist; lasst uns glauben, dass wir seinen jetzt noch unsichtbaren Triumph sehen, unseren Bruder ergreifen und festhalten, trotz der wechselvollen Tücken der bösartigen Verwünschung, welche unsere Augen und Herzen überzeugen will, dass er nicht unser Bruder ist, sondern ein grauenhaftes Ding, hassenswert und hassend.

Doch abermals muss ich fragen, Was, wenn wir falsch liegen und das Falsche tun und hassen, weil wir verletzt haben? Was dann? Ja, dann lasst uns zu Gott schreien wie aus dem Schlund der Hölle; kämpfen wie unter dem Gewicht eines geistlichen Incubus [Anmerkung: Ein Incubus ist ein mythisches, dämonisches Wesen, ein männlicher Alb, der sich dem Schlafenden auf die Brust setzt.]; schreien, als wären wir von einem bösen Geist [spirit] besessen; schreien, als wären wir lebendig begraben, aus der Gruft unseres schlechten Gewissens, dass Er Erbarmen über uns Erste unter den Sündern hat [Anmerkung: Anspielung auf Paulus, der sich als Erster unter den Sündern bezeichnete], die elendesten und niederträchtigsten der Menschen, und uns Hilfe sendet, um uns aus der furchtbaren Grube und dem morastigen Lehm herauszieht. Nichts wird helfen außer dem GEIST des VATERs und des SOHNes, der Geist [spirit] des VATERS den Bruder hervortreten lassend und offenbarend. Es wird mit Reißen und Schäumen passieren, mit einem schrecklichen Schrei und daliegend wie einer, der tot ist, dass solch ein Dämon ausfährt. [Anmerkung: MacDonald spielt hier auf einen der Berichte aus den Evangelien an, in dem Jesus einen Dämon austreibt, der mit viel Schreien und Schaum vor dem Mund tobt. Der junge Mann liegt da wie tot, als der Dämon ihn verlässt. Die anderen richten ihn auf und er geht geheilt davon.] Doch welch eine Schau wird dann in den Tiefen der gereinigten Seele aufsteigen!

„Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ „Liebt eure Feinde, auf dass ihr Kinder des Höchsten seid.“ Es ist die göttliche Herrlichkeit zu vergeben.

Doch eine Zeit wird kommen, wenn der Unveränderbare aufhören wird zu vergeben; wenn es nicht mehr länger zu seiner Vollkommenheit gehört, seine Feinde zu lieben; wenn er still schaut und wenn seine Kinder still schauen auf den aufsteigenden Rauch der immerwährenden Qualen unserer starken Brüder, unserer schönen Schwestern. Nein, ach! Die Brüder sind jetzt schwach; die Schwestern sind jetzt hässlich!

Oh Bruder, glaube es nicht. „Oh Christus!“ würde der Erlöste schreien „Wo bist du, unser starker Jesus? Komm, unser großer Bruder. Sieh die leidenden Brüder dort unten! Sieh die gemarterten Schwestern! Komm, Herr des Lebens! Fürst der Leidenden! Erlöse sie. Denn wir, wir werden hinunter gehen in das Brennen und zusehen, ob wir nicht zuletzt einen Tropfen kühlendes Wasser durch die lodernden Flammen tragen können, um ihre Zungen zu kühlen.“

Glaube es nicht, mein Bruder, dass es nicht die Vergebung in dir auslösche und dir nicht vergeben werde, und du hinunter gehst mit diesen deinen Brüdern zur Marter; woher, wenn Gott nicht besser wäre als das Trugbild, das du Gott nennst, du niemals herauskommen sollst; doch woher du sicherlich heruaskommen sollst, wenn du den äußersten Preis bezahlt hast; wenn du über Gott in der Hölle gelernt hast, was du dich weigertest von ihm zu lernen auf der sanftgestimmten Erde; was der Sonnenschein und der Regen dich nicht lehren konnten, noch der süße Wechsel der Jahreszeiten, noch der ständige Gruß des Morgens und der Abenddämmerung, noch das menschliche göttliche Angesicht, noch das Wort, das deinem Herzen und deinem Munde nahe war – die Geschichte von Ihm, der mächtig zur Rettung war, weil er vollkommen in der Liebe war.

Oh VATER, du bist Alles in Allem, vollkommen über das Sehnen deiner Kinder hinaus, und wir sind alle und insgesamt dein. Du wirst uns rein und liebend und frei machen. Wir sollen furchtlos in deiner Gegenwart stehen, weil wir vollkommen sind in deiner Liebe. Dann werden deine Kinder frohen Mutes sein, unendlich in der Liebe zueinander und ewig in deiner Liebe. Herr Jesus, gib uns das Herz eines Kindes, auf dass wir so aus dem Grab unseres toten Selbst aufsteigen und nicht mehr sterben, sondern von Angesicht zu Angesicht schauen den Gott der Lebenden.

 

 

Erklärung:

Die Texte von George MacDonald sind im Netz im englischen Original leicht auffindbar, frei verfügbar und verwendbar. Es gibt bereits einige begonnene Übersetzungsversuche im Netz, die ich für meine Arbeit am Text jedoch nicht herangezogen habe, insofern verletze ich also keine Rechte. Die Konsultation war rein informativ, ob ein solches Projekt bereits existiert. Eine vollständige, offiziell verfügbare oder in Druckversion käuflich zu erwerbende Übersetzung der „Unspoken Sermons“ existiert meines Wissens nicht. Andere Werke von George MacDonald, speziell seine Kinderbücher, sind in Übersetzung und im englischen Original als Neuauflagen verfügbar.

 

 

 

Advertisements

Über beatricegriguhn

Jesus liebende, exzessiv Tee trinkende, Bücher verschlingende Künstlerin mit Hang zu diversen Skurrilitäten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s